﻿XI.
Reisebilder aus Holland in Briefen an Hm. Prof. Purkyne.
[Prager Vierteljahrschrift 185t. Bd XXXII. Mise. S. /.]
Utrecht, den 8. September 1550.
Ich habe den Plan, direct von Brüssel über Ostende nach London zu geben, aufgegeben und es vorgezogen, einen Umweg durch Holland zu machen ; erstaunen Sie daher nicht, von Utrecht aus einen Brief von mir zu erhalten. Ich habe einen guten Theil von Holland und seinen naturhistorischen Reichthümern gesehen und es ist mir — im Begriffe, beide zu verlassen — ein wahres Bediirfniss, Ihnen meine Comptes rendus zu überschicken. Wenn es mir auch kaum gelingen wird, jetzt schon die Fülle der verschiedenen neuen Eindrücke zu einem einheitlichen, abgerundeten Bilde zu sammeln, so darf ich doch hoffen, manche nicht uninteressante Einzelnheiten herauszugreifen und als Material, in bunter Folge, aufzuspeichern.
In Utrecht zogen uns besonders Schroeder van der Kolk, Harting und Bonders an. Der Erste ist trotz seines sehr vorgerückten Alters und seiner vielen Geschäfte ein noch sehr eifriger und thätiger Forscher, wovon seine schöne, mit Geist geordnete, namentlich pathologisch-anatomische Sammlung den besten Beweis giebt. Unter seinen vielen mikroskopischen Präparaten, welche zum grossen Tlieile sehr gut und seit Jahren conservirt sind, interessirten mich nebst den schönen Injectionen die Durchschnitte durch die graue Substanz des Rückenmarks ganz besonders, obschon sie zu den weniger gut erhaltenen gehörten und nicht mehr ganz überzeugend waren. — Das Interesse war ein historisches : denn es sind dieselben Präparate, nach denen Schroeder sich seine Ansicht über den netzförmigen Zusammenhang der multipolaren Ganglienkugeln unter einander und mit den Nervenfasern bildete. Schroeder kam mir während seiner Demon-