﻿Reisebilder aus Holland in Briefen an Hrn. Prof. Purkyne.
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Das Ob serra toi re météorologique et magnétique haben wir ebenfalls besucht. Es ist ein kleines, mit einem Garten umgebenes Gebäude und liegt ausserhalb der Stadt am Boulevard. Seine Einrichtung ist recht zweckmässig. Die einzelnen Instrumente müssen auch jeden Laien durch ihre Einrichtung interessiren, so namentlich die selbst registrirenden Windfahnen, Windmesser, Thermometer, Barometer u. s. w., welche die graphische Darstellung ihrer Zustände selbst zeichnen und einmal eingestellt, sich selbst überlassen werden und keiner anstrengenden Ueberwachung bedürfen. Der thätige Director dieser Anstalt Herr Reecke hat wesentliche Verbesserungen an diesen Vorrichtungen angebracht. Unser berühmter Landsmann Keeil steht hier, wie überall, wo meteorologische und magnetische Studien getrieben werden, in hohem Ansehen, und man begegnet hier, wie überall, seinen sinnreich construirten Apparaten.
Das grosse auf 40 Mann eingerichtete Laboratorium von Mulder ist eine Musteranstalt, und gibt abermals den Beweis, dass für Chemie, welche wie die Physik mehr als irgend eine andere Naturwissenschaft im Rufe einer nützlichen und praktisch wichtigen Beschäftigung steht, auch mehr als für die bis jetzt noch verkannte Biologie, man mag anfragen und Zusehen, wo man will, gethan wird. -—Sehr befriedigt verliessen wir Utrecht, doch nicht ohne das Versprechen abgelegt zu haben, wieder zurückzukehren, nachdem wir Amsterdam, Haarlem und Leyden besucht hätten. Wir haben Wort gehalten, wie Sie aus dem Datum des Briefes ersehen.
A m s t e r d a in, das eben so gut wie Rotterdam den Namen des nordischen Venedig verdient, ist eine ganz eigentümliche Stadt, und verfehlt nicht, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Ueberall Canäle, Brücken, Sckleussen und Dämme, Waarenkaaren und Treek-scliuiten. lärmendes, bunt durcheinander laufendes Volk, das in allen Sprachen spricht, und alle Trachten trägt ! Ueberall Leben, Handel und Wandel ! Man merkt es dem Treiben nicht an, dass ein Damoklesschwert Vernichtung drohend über dieser grossen Stadt hängt, dass im Nu Alles unter den Wogen des Y, der Zuyder-See und des Haarlemer-Meeres begraben sein kann. Man merkt es nicht, — denn die meisten dieser Leute wachsen mit dem Bewusstsein dieser Gefahr auf, und sind an diesen Gedanken so gewöhnt, dass er sie nicht stört. Dies Gefühl der Sicherheit tlieilt sich dem Fremden mit, obschon ihn wohl öfter, als er's gesteht, ein leises Grauen beschleichen mag, wenn er den Amsterdamer mit grosser Seelenruhe und Behaglichkeit über die unendliche Wichtigkeit seiner Deiche und Schleussen und die Folgen eines Durchbruches derselben erzählen hört. Der Grund, auf dem Amsterdam