﻿Reisebilder aus Holland in Briefen an Hrn. Prof. Purkyne.
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Strebungen sein Leben mehr als einmal aufs Spiel gesetzt. Man erzählte uns, dass ihn die japanische Polizei über dem Entwurf einer Karte von Japan ertappt habe, was in Japan so verpönt zu sein scheint, wie das Copiren von Festungswerken bei uns in Europa. E r hat sich zwar der Todesstrafe, die man ihm zugedacht hatte, durch eine geschickte Ausrede zu entziehen gewusst, seinen Dienern aber wurde einfach der Bauch aufgeschlitzt zur Strafe für das Verbrechen, einem Ausländer bei einem so hochverrätherischen Beginnen behilflich gewesen zu sein.
Interessant sind die chirurgisch-anatomischen Darstellungen des menschlichen Körpers, welche die Jünger Aesculapsin Japan behufs des Aderlassens verfertigt haben. Die Topographie der hauptsächlichsten Venen, wie z. B. der Cephalica, ist gar nicht unrichtig. Die Anatomie der inneren Theile ist etwas confus.
Das naturhistorische oder sogenannte Reichs-Museum ist auch ein reiches Museum, und begreift eine Skeletsammlung in sich, die die grösste in der Welt ist und etwa 5000 Nummern enthält. Selbst die seltensten Thiere sind hier beinahe alle in Duplicaten vorhanden. Von der Salamandra maxima hat man ein Skelet, einen einzelnen Kopf und ein kleines Weingeistexemplar. Van der Hoeven, welcher nns herumführte, demonstrirte uns, dass die Salamandra maxima eigentlich kein Salamander, sondern eine Art Menopoma sei; denn (wie wir uns auch überzeugten) ihr Skelet stimmt mit dem von Menopoma vollkommen überein, differirt aber bezüglich der Kopfknochen bedeutend von den Salamandern. Deshalb hat Van der Hoeven das Thier umgetauft, und nennt es Cryptobranchus japonicus — wie es scheint, mit vollem Rechte. — Wir trafen in dieser Anstalt zufällig mit Prof. Hyrtl zusammen, welcher eben von der Naturforscherversammlung in Edinburgh zurückkehrte, und auf der Rückreise nach Wien begriffen war.
Die berühmte alte Anatomie in Leyden, an welcher Albin lehrte, nimmt eine Kirche ein, welche somit aus einem Tempel Gottes in einen Tempel der Natur verwandelt wurde. Die Sammlung ist weniger bedeutend, als durch einige Curiosa interessant. Man bewahrt hier einige sonderbare Präparate von Albin und Ruysch. Die baroken Einfälle des Letzteren bei der Aufstellung anatomischer Gegenstände sind aus seinem Thesaurus anatomicus (wo er zuerst Felsen aus Blasen-, Nieren- und Gallensteinen aufbaut, und mit einem Wald von Arterienbäumen bepflanzt, und unter dem Schatten derselben dann Embryonen, von denen einige ihre Thränen mit Taschentüchern aus injicirtem Mesenterium und anderem Stoffe, trocknen, in malerischen.