﻿Reisebilder aus Holland in Briefen an Hrn. Prof. Purkyùe.	167
ist dies selir zu bedauern; denn die Studien, welche diese jungen Leute versäumt haben, sind es gerade, welche wesentlich dazu beitragen, den wissenschaftlichen Geist zu wecken und zu erziehen. Doch lässt sich aus diesem Uehelstande, welcher am Ende noch jetzt beseitigt werden kann, nicht etwa die Unzulässigkeit der Lehrfreiheit de-monstriren, noch dieser Uebelstand der Lehrfreiheit seihst in die Schuhe schieben, sondern einfach der Schluss ziehen, dass dem natürlichen Mangel an Urtheil und der alles überstürzenden Begierde, in die Mysterien der Heilkunst eingeweiht zu werden, durch zweckmässige hodegetische Vorträge ahzuhelfen und zuvorzukommen sei.
Die Räumlichkeiten, über welche Harting zu verfügen hat, sind zwar nichts weniger als brillant, allein immerhin genügend und gut benützt. Einige Einrichtungen und Vorrichtungen, die ich daselbst gesehen habe, scheinen mir der Nachahmung werth, und ich schreibe Ihnen über dieselben, damit Sie vielleicht Aehnliches in Ihrem neu zu gründenden Institute für Physiologie ins Werk setzen möchten. — Die Art des Lichtes ist für eine Localität, in welcher mikroskopirt werden soll, jedenfalls eine Hauptsache, und es muss darauf besondere Rücksicht genommen werden. Wenn man kein horizontales Licht bekommen kann, welches doch eigentlich das am besten brauchbare ist, weil nur dann unsere Spiegel an den Mikroskopen die grösstmögliclie Quantität Licht reflectiren können, — ich meine, wenn das durch die Lage und Umgebung in der Localität gegebene Licht nicht horizontal einfällt — so muss man dafür sorgen, dass es diese Einfallsrichtung erhält, wenn auch nur zum Theil. Zu diesem Ende bringt man eine grosse, mattgeschliffene Glastafel am Fenster an, welche nach Bedarf vorgeschoben und entfernt werden kann. Es wird dadurch im Wesentlichen dasselbe erreicht, was eine dem Fenster gegenüber stehende erleuchtete Mauer bewirkt. Den Hauptvorth eil gewährt die mattgeschliffene Glastafel, wenn die Sonne direct in das Fenster hereinscheint, an dem mikroskopirt wird. — Eine weitere treffliche Vorrichtung ist ein Tisch, in dessen Tafel eine Glasplatte eingesetzt ist, welche von unten her durch einen zwischen den Tischbeinen angebrachten, entsprechend grossen Planspiegel erleuchtet werden kann. Dieser Tisch wird zum Präpariren von Gegenständen gebraucht, welche eine durchfallende Beleuchtung erfordern. Die Arme liegen fest und bequem auf, und die Hände arbeiten sicher ; zugleich lässt sich eine Loupe, wenn sie noting ist, sehr leicht mit ihrem Stativ placiren. Noch will ich einen Apparat zum Zeichnen mikroskopischer Gegenstände erwähnen, welcher mir nützlicher scheint, als alle die Camerae lucidae und Soemmering’schen Spiegelehen, indem das Bild auf eine Weise aufgefangen wird, dass es