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Reisebilder aus Holland in Briefen an Ilrn. Prof. Purkyne.
seltene Gelegenheit, welche ein Platz wie Amsterdam bietet, werth-volle ausländische Thiere zu untersuchen, nicht unbenutzt vorüber gehen lassen, seine Mappen strotzen von vergleichend-anatomischem Material, namentlich was Myologie anbelangt. — Der z o o 1 o g i s c h e Garten Amsterdam's, den wir in Begleitung Vrolik’s besuchten, obwohl nicht so bedeutend als andere Anstalten dieser Art, äussert immerhin seine wohlthätigen Wirkungen auf die naturhistorische Bildung des Publikums, und enthält manches seltene schöne Exemplar von exotischen Thieren, deren Viele die holländischen Kolonieen bewohnen. Ein Thier ist namentlich von ganz besonderem Interesse und als Unicum zu betrachten, indem es lebendig sonst nirgends in Europa gehalten wird. Es ist ein Reptil von bedeutender Grösse — die Sala-mandra maxima — welche ähnlich wie das Lepidosiren, der Dodo eine zoologische Nuss ist, die verschiedene Fachmänner zu knacken versuchten. Dies Exemplar lebt schon seit 11 Jahren in der Menagerie, befindet sieh ganz wohl, und macht noch keine Miene das Zeitliche zu segnen, so dass die gelehrte Welt wohl noch einige Zeit auf die interessante Monographie über dasselbe wird warten müssen. Hr. Prof. Jan van der Hoevex in Leyden hat uns einige wichtige zoologische Aufschlüsse über dieses räthselhafte Thier gegeben, auf die ich später zurück komme. Eine beiläufige Vorstellung von dem Aeusseren desselben kann man dadurch gewinnen, dass man in Gedanken einen unserer Tritonen bis zu einigen Fuss Länge vergrössert, dabei den Kopf recht breit und das Maul recht weit ausfallen lässt. Die Haut, dunkelbraun von Farbe, ist übersät mit unzähligen, dicht stehenden Warzen, welche wahrscheinlich Drüsenplaques enthalten; die Augen, welche verhältnissmässig sehr klein sind, muss man ordentlich unter Erhabenheiten der Haut des Kopfes suchen. Ob seine Spermatozoiden wohl Flimmersäume haben mögen ?
Die Amsterdamer Anatomie befindet sich in einem wunderlichen uralten Gebäude, welches frei auf einem Platze in der unmittelbaren Nachbarschaft des Ghetto steht. Es erinnert sehr an die Pfalz im Rhein. Das Interesse, welches wir an ihr nahmen, war ein historisches, — und das nimmt sie auch in hohem Maasse in Anspruch. Die innere Einrichtung ist ganz alterthiimlich und dem barokken Aeusseren entsprechend. Es macht den Eindruck, als ob noch Alles so liege und stehe, wie zu den Zeiten von Ruysch. Das braune, ehrwürdig finstere Holzgetäfel an den Wänden und an dem Plafond, die schweren geschnitzten Thüren, die Kästen mit dem geschnörkelten Rococozierrath, fier specifische modrige Geruch der Antiquitäten, wie z. B. alte Bücher dm an sich haben, und welcher einem hier wie ein Aschermittwochs-