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Reisebilder aus Holland in Briefen an Hrn. Prof. Purkyne.
tief symbolischen Stellungen höchst sinnreich gruppirt hinlänglich bekannt. Eines seiner Präparate betrifft den Arm eines Kindes, der sammt einer netten, zierlichen Spitzenmanchette in Spiritus gesetzt ist. Im Präparirsaale hängt das Kniestück eines Mannes, dem man in Königsberg durch die Gastrotomie ein ansehnlich langes Messer, das er in effigie dem Beschauer vorzeigt, ausgeschnitten hat, ohne durch diese Operation seinem Lehen ein Ziel zu setzen. Diese merkwürdige Historie passirte im vorigen Jahrhundert und ist gerichtlich beglaubigt. Prof. Halbertsma, welcher erst kürzlich als Lehrer der Anatomie angestellt wurde, zeigte uns eines der vielen hundert Mikroskope, welche Leeuwenhoek verfertigt und besessen bat. Es ist aus Silber und von höchst einfacher Structur. Die einfache Linse ist in eine mit einem kleinen Griffe versehene Platte eingesetzt, und der Objectivträger besteht aus einem Stäbchen, das in verschiedener Richtung verschiebbar ist, sich auf- und niederschrauben, der Linse näher und ferner stellen, und nacli rechts ùnd links neigen lässt. Der Beleuchtungsspiegel fehlt ganz ; man nimmt das Instrumentchen in die Hand, und hält es beim Durchseben gegen den Himmel. Es wäre unbegreiflich, wie Leeuwenhoek mit einer solchen Maschine seine trefflichen Beobachtungen habe machen können, wenn 'sich nicht nachweisen liesse, dass seine Linsen ganz vorzüglich waren, und klare reine Bilder gaben. Von dem an die Londoner Akademie geschenkten Instrumente vergrösserte nur eine Linse löOmal im Durchmesser, die übrigen alle weniger. Dem Gebrauche niedriger aber klarer Vergrösserung ist der Mangel an groben Täuschungen bei Leeuwenhoek zuzuschreiben. Leber die Richtigkeit dieses Principes der Beobachtung, lieber klare und niedrige, als hohe und undeutliche Vergrösserungen anzuwenden, kann kein Zweifel sein. Schon Leeuwenhoek sagt in einem seiner Briefe : » se multorum annorum experientici didicisse, lentes, quae, magnopere augerent, et minus essent perspicuae, postponendas esse iis. quae minus quidem augerent, sed perspicuitate et clara luce illas superarent.« — Halbertsma hat eine für die Geschichte der Mikroskopie wichtige Abhandlung »de Leeuwenhoekii meritis« als Inauguraldissertation geschrieben. Holland ist die Wiege der Mikroskopie, und man kann es gewissermassen von den Holländern verlangen, dass sie es als eine Pflicht ansehen. Material zu der Geschichte derselben zu liefern. —Einer sehr instructiven Suite von verwundeten und geheilten Stosszähnen von Elephanteu hätte ich bald zu erwähnen vergessen. In der Keimhöhle solcher Zähne flnden sich tropfsteinartige Auswüchse, welche im Katologe als Exostosen aufgeführt sind, und ganz und gar an das mikroskopische Verhalten der inneren Oberfläche der Keimhöhle, wie ich sie an jungen