﻿Ueber den Stiel der Vorticellen.
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Für den gelben Faden als Vermittler des Zusammensclinellens spricht, wie mir scheint, mit Bestimmtheit der Umstand dass überall, wo derselbe zerstört ist, auch keine Spur von Contraction beobachtet wird. Nur so weit als der unversehrte, mit dem lebendigen Thiere zusammenhängende Faden reicht, kann der Stiel zusammengeschnellt werden, der übrige Theil des Stieles bleibt unbeweglich. Der gelbe Faden ist der Sitz der contrahirenden Kraft, aber verdient, wie Ecker und Kölliker gezeigt haben, doch nicht den Namen eines Muskels.
Stirbt eine Vorticelle ab, so löst sie sich von dem Stiele los. Man tindet häufig genug unbesetzte Stiele in den Infusionen, welche, namentlich wenn die Thiere durch Sublimat getödtet wurden, längere Zeit zusammengezogen bleiben, sonst aber, wie schon der alte 0. Müller wusste, durchgängig ausgestreckt sind. In dem ersten Falle befindet sich der gelbe Faden, trotz der Abwesenheit des Thieres, im contrahirten Zustand (Coagulation? Rigor mortis ?). Lässt man solche Stiele maceriren oder zerstört man den contractilen Faden durch passende Reagentien, so strecken sie sich von selbst aus und bleiben für immer ausgestreckt. Ich habe diesen Versuch oft angestellt. Er beweist , wie ich glaube, mit Evidenz die elastische Natur des hyalinen Fadens und demonstrirt zugleich das antagonistische Verhältniss, in welchem bei den Bewegungen der Stiele der hyaline zum gelben Faden steht. Herrn Gerber’s übrigens ganz unbegründete Ansicht, dass der hyaline Faden ein Schwellgefäss sei, welches sich durch Druck mit Flüssigkeit füllen und erigiren soll, wird durch die mitgetlieilte Erfahrung geradezu widerlegt.
Der hyaline Faden ist nichts als eine homogene, elastische Substanz, welche uns hier in der niedersten Sphäre der thierischen Organismen zum ersten Male gesondert und geformt entgegentritt. Es verlohnte sich, die elastischen Elemente in ihrer fortschreitenden Entwickelung in ähnlicher Weise zu verfolgen, wie es Ecker und Kölliker mit der contractilen Substanz gethan haben.
Somit hätte ich meine Auffassung näher begründet und kann nun zur genauem Auseinandersetzung des Mechanismus der Stiele übergehen.
Beiläufig erwähne ich nur noch, dass der motorische Antagonismus auf unendlich mannichfaclie Weise an Theilen, welche eine bestimmte Bewegung auszuführen haben, realisirt werden kann und factisch rea-lisirt ist. Als wesentliche Bedingungen sind immer zwei Kräfte anzusehen, derenWirkungensichgegenseitigaufzuhebenim Stande sind. Uebrigens können diese Kräfte einfach sein oder die Resultirenden aus einer beliebigen Anzahl von Componenten : die eine