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Ueber den Stiel der Vorticelien.
dünner, gelblich gefärbter Faden, welcher am obern Ende des Stieles in die Substanz des glockenförmigen Körpers der Vorticelle, wie es scheint dichotomisch gespalten, übergeht, am untern Ende aber, in verschiedener Höhe vom Anheftungspunkte des Stieles auf fremden Körpern, sich verliert.
An den oft sehr dicken, verästelten Stielen von Carchesium habe ' ich den helikoidalen Kanal, nach innen von dem gelben Faden, noch mit einer blassen, fein granulirten Substanz ausgefüllt gefunden, welche gewissermaassen einen dritten Faden darstellt, so dass der ganze Stiel aus drei isotropen Helikoiden ■) zusammengesetzt erscheint. Bei den Vorticellen konnte ich bisher diesen granulirten Faden nicht nacli-weisen ; vielleicht haben aber nur die optischen Hülfsmittel dazu nicht ausgereicht.
In dem verästelten Stiele von Carchesium besitzt jeder Zweig seinen eigenen, mit jenem des Hauptstammes n i c h t zusammenhängenden helikoidalen Kanal und Faden. Der Faden des Hauptstammes hängt nur mit einem Individuum zusammen. Jedes Individuum schickt in den Zweig, auf dem es sitzt, seinen Faden hinein, dessen Länge jener des Zweiges entspricht. Ganz kurze Zweige, welche eben erst durch Theilung entstanden zu sein scheinen, sind mir ganz hyalin vorgekommen und ich konnte in ihnen keine Spur eines Fadens entdecken. Das ganze Bäumchen erscheint daher wie aus lauter einzelnen Vorticelien von verschieden langen Stielen zusammengesetzt.
Nach diesem Verhalten der von mir untersuchten Exemplare muss ich Ehrenberg’s Abbildungen für unrichtig halten. Ehrenberg zeichnet nâmlichj ^eu Faden des Hauptstammes von Carchesium gleichfalls verästelt, während ich niemals eine Verästelung desselben wahrnehmen konnte.
Die Bestimmung des Windungstypus der Stiele ist nicht ohne Schwierigkeit. Der hyaline Faden der Stiele ist so durchsichtig und die Helikoide von so geringer Lichtung, dass der gelbliche Faden, selbst bei unveränderter Focaldistanz, auf seinem ganzen Verlaufe mit fast gleich deutlichen Umrissen erscheint und wie eine ebene, zwischen die Contouren des Stieles gezeichnete Wellenlinie aussieht.
Nur durch eine überaus genaue und aufmerksame Einstellung des Mikroskops, bei gedämpfter oder schräger Beleuchtung und starker Vergrösserung, erfährt man, ob die rechts oder dielinksaufsteigenden
1 Vergl. über die Bedeutung dieser, so wie der weiter unten gebrauchten Ausdrücke J. B. Listing’s interessante »Vorstudien zur Topologie«. Gotting. 1S4S.