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Ueber den Stiel der Vorticellen.
Die Bewegungen beim Strecken und jene beim Zusammenschnellen des Stieles müssen wesentlich dieselben sein, nur erfolgen sie mit verschiedener Geschwindigkeit und natürlich in entgegengesetztem Sinne. Es ist klar, dass man aus den ersteren, welche leicht zu beobachten sind, mit Sicherheit auf die Art der letzteren, welche wegen enormer Raschheit dem Beobachter fast ganz entgehen, scliliessen kann. Uebri-gens habe ich oben von Reagentien gesprochen, welche diesen Uebel-stand beseitigen. Setzt man z. B. einige Tropfen Sublimatlösung der Infusion bei, welche man unter dem Mikroskop hat, so wickeln sich alsbald die Stiele mit sehr massiger Geschwindigkeit zusammen und man ist in den Stand gesetzt, die Richtigkeit unseres Schlusses zu bestätigen. Man sieht, wie sich der Körper der Vorticelle beim Einrollen, in Folge der Torsion, welche der hyaline Faden erleidet, dreht und wie der gelbe Faden allmählich an den innern Rand der helikoïdalen Windungen des Stieles gelangt. Die Infusorien vertragen die Beimischung des Sublimats nicht und sterben nach kurzer Zeit ab.
Der Punkt, von welchem aus das Zusammenschnellen der Stiele sowohl als das Strecken beginnt, ist nicht immer derselbe. Ich habe beide Bewegungen am obern, aber auch am untern Ende der Stiele entspringen sehen. Manchmal schienen mehrere oder alle Windungen zugleich von der Bewegung ergriffen. Ein solcher inniger, ursächlicher Zusammenhang zwischen den Bewegungen des Stieles und jenen pes Körpers, namentlich der Entfaltung des Wimperkranzes, wie Herr Eckhard will, existirt durchaus nicht, denn man kann es oft sehen, dass die Vorticellen die Wimpern einschlagen, ohne deshalb den Stiel zusammenzuschnellen. Die Beziehung und das Verhältniss dieser Bewegungen zu einander kann man etwa als willkürliche Association oder Synergie auffassen. Dazu braucht man auch nicht eine compli-cirte Verzweigung des sogenannten Muskels durch den ganzen Körper anzunehmen, wie Herr Eckhard, wahrscheinlich gewissen Ideen über die Organisationsverhältnisse der polygastrischen Infusorien zu Liebe, tliut.
Es handelt sich nun darum, die Mechanik des Vorticellenstieles zu erklären und den antagonistischen Kräften bestimmte Formelemente anzuweisen. Ich halte dafür, dass der hyaline Faden elastischer Natur ist und das Ausstrecken des Stieles bedingt, während der gelbe Faden aus contractiler Substanz besteht und das Zusammenschuel-len vermittelt. Der blasse granulirte Faden von Carchesium mag vielleicht eine rein vegetative Function haben. Elasticität und Contractilität reichen vollkommen aus, den motorischen Antagonismus begreiflich zu machen und, gebunden an die genannten Formelemente, alle Einzelheiten der Erscheinung zu erklären.