﻿Ueber den Gewichtsverlust der Thiere nach dem Tode.	1 9T
gaben. Der Organismus fällt als ein lebendiges Ganze, mit allen seinen Werkzeugen in die Wagschale und soll als solches, während der gesetz-mässigen, physiologischen Thätigkeit derselben in Bezug auf das Gewicht untersucht werden. Der Zusammenhang der vitalen Functionen mit den Schwankungen des Körpergewichtes soll hier aufgedeckt werden.
Die Einnahmen machen den Organismus schwerer, die Ausgaben leichter. Ueberwiegen die einen die anderen, so resultirt ein Gewinn oder ein Verlust an Gewicht für das Individuum. Der Fall ist denkbar, dass sich beide entgegengesetzte Factoren das Gleichgewicht halten, und das Körpergewicht für eine kürzere oder längere Zeit dasselbe bleibt.
Für die normale Entwickelung gilt als Gesetz, dass das tkierische und menschliche Individuum mehr einnimmt und weniger ausgibt, so lange es in seiner körperlichen Ausbildung begriffen ist : später kommen die Factoren des Gesammtgewicktes im Allgemeinen auf gleiche Höhe : in der Periode der Decrepidität ersetzen die Einnahmen die Ausgaben nicht mehr, und nach dem Tode geht der Verlust an Masse und Gewicht unaufgekalten fort. Freilich unterliegt das skizzirte Schema einer Menge von individuellen Ausnahmen. Es darf überdies nicht vergessen werden, dass immer noch nothwendige und zufällige Schwankungen in dem antagonistischen Verhältnisse der Einnahmen und Ausgaben eintreten, welche ohne Störung des ganzen Ganges in das. Schema aufgenommen werden müssen.
Es Hesse sich hiernach eine Curve des Körpergewichtes für ein individuelles Dasein entwerfen, welche mit der Enstehung des Organismus anhebt und mit der Auflösung desselben endet. Diese graphische Darstellung müsste in der Entfernung betrachtet, als eine Linie erscheinen, welche rasch aufsteigt, nach und nach eine grösste Hölie erreicht und behält, und endlich wieder herabsinkt. In der Nähe und genauer angesehen, würde die Linie wie mit zitternder Hand gezogen , die angedeutete Krümmung vollenden und mehr oder weniger regelmässige, grössere und kleinere Biegungen im Zickzack zeigen. — Diese Curve des Körpergewichtes ist die Kesultirende zweier Compo-nenten, welche in entgegengesetzten Kicktungen wirken, die eine von unten nach oben, die andere von oben nach unten ; jene entspricht den Einnahmen, diese den Ausgaben. Die Veränderungen des specifischen Gewichtes des Individuums, welche streng genommen gleichfalls als Componenten betrachtet werden können, sind im Allgemeinen allzu unbedeutend, und dürfen vernachlässigt werden. Man kann vollends davon absehen, wenn man von vornherein das Volumen des Indivi-
Czermak, Schriften.	13