﻿206 lieber das Wesen der auf Linsenschliffen entdeckten Curvensysteme.
erscheint es«, fährt Thomas fort, »in der Wirbelung der Linsenfasern und der damit verbundenen, doppelten Krümmung derselben auf den concentrischen Lamellen einen allgemeinen Erklärungsgrund dieser Erscheinung zu suchen, denn bei der Linse des Dorsches ist weder von einer Wirbelung, noch von einem Verlauf der Fasern in doppelter Krümmung die Rede«.
Da Brücke, welcher, der Einzige, das Wesen und die Bedeutung der THOMAs’sclien Untersuchungen richtig erkannt und gewürdigt hat — ohne freilich seine einfach hingestellte Ansicht irgendwie zu begründen, auch über dieses in mehrfacher Hinsicht interessante Problem nicht näher sich ausspricht, so glaube ich nichts Ueberflüssiges zu thun, wenn ich, wie gesagt, gewissermaassen als Ergänzung meiner obigen Mittheilung, die Lösung desselben liier anschliesse.
Zuvor bemerke ich nur noch, dass ich der folgenden Betrachtung die Dorschlinse zu Grunde lege, indem für dieselbe, wie Thomas richtig hervorhebt, wegen ihres einfachen Baues — die Fasern verlaufen in den concentrischen und sphärischen Lamellen bekanntlich von Pol zu Pol, wie die Meridiane am Globus — das scheinbar Paradoxe im Verhalten der concentrischen Curvensysteme am meisten imponirt und für complicirter gefaserte Linsen von selbst hinwegfällt, wenn es für die Dorschlinse gehoben ist.
Denken wir uns für einen Augenblick. dass die concentrischen und sphärischen Lamellen der Dorschlinse nicht aus sehr regelmässig ungeordneten Fasern zusammengesetzt wären, sondern aus einer völlig structurlosen Substanz beständen, so erkennen wir sofort, dass auf einer ebenen Schnittfläche der Dorschlinse nur ein einziges System von continuirlichen concentrischen Kreislinien, als Ausdruck des lamel-lösen Baues erscheinen könnte und müsste. Kommen daher auf den Schliffen wirklicher Dorschlinsen mehrere concentrische Curvensysteme zum Vorschein, so können dieselben offenbar nur dem Umstande ihren Ursprung verdanken, dass die Lamellen der Linse eben nicht aus einer structurlosen Substanz bestehen, sondern dass sie aus regelmässig an einander gereihten Fasern zusammengesetzt sind. Es folgt hieraus mit Nothwencligkeit, dass jene überzähligen paradoxen Curvensysteme als der Ausdruck der Anordnung und des Verlaufes der Linsenfasern anzusehen sind, nicht aber als einfache Folge der concentrischenSchichtungundderlamellösenStructur der Linse, welcher in der That nur E i n e s dieser Systeme direct entsprechen kann.
Hiermit ist nun schon der scheinbare Widerspruch, das eigentlich Paradoxe des ganzen Problems, an welchem Thomas gescheitert ist,