﻿XV.
Ueber das Wesen der von Dr. C. Thomas auf Linsenschliffen entdeckten Curvensysteme.
[Zeitschr. f. wissensch. Zoologie etc. 1855. Bd. VII. S. 185.]
Hierzu Tafel 10;.
In den vorliegenden Zeilen beabsichtige ich den Beweis zu liefern, dass die überaus zierlichen eoncentrischen Zeichnungen auf Schliffen von getrockneten Krystalllinsen, welche Dr. Thomas 1 in Königsberg in Pr. zuerst beobachtet, beschrieben und abgebildet hat, ein prägnanter Ausdruck der Linsenfaserung sind, und somit aus der bis jetzt bekannten Structur der Linse entweder zu erklären sein werden oder aber zu einer andern, bessern Einsicht in die Anordnung der Linsenfasern führen müssen.
Indem ich auf diese Weise die wissenschaftliche Bedeutung der mühsamen und fleissigen Untersuchungen des Dr. Thomas überhaupt und seiner neuen Präparationsmethode insbesondere in das rechte Licht zu stellen mich bemühen werde, hoffe ich einerseits dem Verdienste des Dr. Thomas die demselben gebührende Anerkennung, andererseits aber der Wissenschaft eine Errungenschaft, welche in Folge der oberflächlichen Würdigung von Seite der Zeitgenossen leicht wieder verloren gehen und vergessen werden könnte, zu sichern.
Die eben ausgesprochene Befürchtung ist wegen der noch immer nicht feststehenden Ansicht über das Wesen der TnoMAs'schen Curvensysteme nicht ganz unbegründet, denn sollte die Ansicht, dass diese zierlichen Zeichnungen nur ein zufälliges optisches Phänomen sind und in keiner directen Beziehung zur Faserung der Linse stehen, eine
1 Prager Vierteljahrschr. 1854. Bd. XLI. Ausserordentliche Beilage S. 1.