﻿204 Ueber das Wesen der aut' Linseuschliffen entdeckten Curvensysteme.
allgemeinere Aufnahme finden, so dürften sich die Histologen wohl kaum veranlasst fühlen, der Thomas'sehen Entdeckung ihre Aufmerksamkeit ernstlich zuzuwenden und auf dem durch dieselbe eröffneten Wege fortzuschreiten. und es würde die ganze Sache unfehlbar der Vergessenheit anheimfallen. Zwar hat schon Brücke* 1) die Behauptung aufgestellt, dass die TnoMAs’schen Curvensysteme mit dem Bau der Linse in directem Zusammenhänge stehen, und erklärt, » dass sie uns einen Blick in die mathematischen Eigenschaften der Curven doppelter Krümmung tliun lassen, welche die Fasern, aus denen die einzelnen Schichten der Linse zusammengesetzt' sind, beschreiben, und dass sie es uns möglich machen, den faserigen Bau der Linse bis in tiefere Schichten, in denen keine andere Präparation mehr zu exacten Resultaten führt, ja seihst bis nahezu zum Mittelpunkte zu verfolgen«, — allein Thomas selbst (a. a. O. S. 22) vermuthet, dass man »zur Erklärung des vorliegenden Phänomens noch über die Faser hinaus zu feineren Formelementen der Linse seine Zuflucht werde nehmen müssen«, während Kölliker2 es gar für wahrscheinlicher hält, »dass das ganze Phänomen vom anatomischen Standpunkte aus nicht zu deuten sei«.
Bei dieser Meinungsverschiedenheit wird der von mir beabsichtigte Beweis für den directen Zusammenhang der TnoMAs’schen Zeichnungen mit der Faserung der Linse wohl nicht unwillkommen sein !
Ich liefere denselben durch eine von Keinem der genannten Autoren hervorgehobene oder gemachte einfache Beobachtung, welche ich an allen den schönen Linsenschliffen, die mir Dr. Thomas vor etwa drei Jahren, bei seinem Aufenthalte in Prag, in grosser Menge zu verehren die Freundlichkeit hatte, bestätigt gefunden habe. Diese Beobachtung besteht nun darin, dass als die eigentliche und einzige Ursache der Thomas' sehen Curven, die durch die Schliffebene in verschiedener Richtung und Ausdehnung tlieils durchschnittenen, tlieils blossgelegten Linsenfasern deutlich zu erkennen sind. Ein Blick auf Fig. 1 (Taf. 10), welche die THOMAs’schen Curvensysteme, wie sie sich unter einer etwa 350maligen Vergrösserung, auf jedem halbwegs genau senkrecht auf die Aequatorebene einer Dorschlinse (parallel zur Seh-axe) geführten Schliffe darstellen, möglichst naturgetreu wiedergiebt, wird wohl Jeden von der Richtigkeit meiner Beobachtung überzeugen, da die einzelnen Linsenfasern mit ihren gezackten Rändern ebenso
1 Sitznngsber. der Wiener Akad. Bd. VI. S. 2S6.
1 Mikroskop. Anatomie. Bd. II, 2. Abtheil.. S. 113.