﻿Ueber das Wesen der auf Linsenschliffen entdeckten Curvensysteme. 205
wenig zu verkennen sind, als ihr Antkeil an der Erzeugung der THOMAs’schen Curvensysteme. Thomas hat seine Abbildungen bei viel zu geringen oder unklaren Vergrösserungen aufgenommen, so dass sie nicht mehr als zarte eoncentrische Linien, welche eben nur der Totaleindruck des von mir gezeichneten Details sind, wiedergeben konnten und aus diesem Grunde zweifelhaft lassen mussten, welchen Verhältnissen jene Linien ihren Ursprung verdanken mögen. Nachdem ich hiermit das Verhalten der bekannten elementaren Formbestand-theile der Linse auf den Schnittebenen als die alleinige und eigentliche Veranlassung zur Entstehung der THOMAs’schen Curvensysteme .erkannt und nachgewiesen habe, so steht es auch ein für allemal fest, dass diese letzteren der prägnante Ausdruck der Linsenfaserung sein und als das exacteste in Bezug auf den Linsenkern, einzige) Mittel zur Erforschung derselben angesehen werden müssen.
Ich kann diese Mittheilung, deren eigentlicher Zweck im Grunde schon erreicht ist, unmöglich schliessen, ohne dieselbe noch durch die Aufklärung eines Verhältnisses gewissermaassen zu vervollständigen, welches auf den ersten Blick in der That so paradox erscheint, dass es begreiflich wird, wie dasselbe sowohl von Thomas als von Köllikeu für absolut unvereinbar mit der bisherigen Ansicht über die Structur der Linse erklärt werden konnte, indem es bekanntlich dem Erstem die Vermuthung aufdrängte, dass es nüthig sein werde, »über die Faser hinaus zu feineren Formelementen der Linse seine Zuflucht« zu nehmen, dem Letzteren aber die Deutung des ganzen Phänomens »vom anatomischen Standpunkt aus« überhaupt unmöglich erscheinen Hess. Ich meine das von Thomas entdeckte Vorhandensein mehr als Eines, nämlich zweier, dreier, ja selbst noch mehrerer sich inter-ferirender, concentrischer Curvensysteme, auf einem ebenen Linsenschliffe.
Thomas hebt das Paradoxe dieses Verhältnisses richtig und scharf hervor, wenn er hierüber sagt a. a. O. S. 21—22) : »es scheine wenigstens einigermaassen bedenklich zu sein, nach einer leichten Anknüpfungsweise des vorliegenden Phänomens an die schon lange bekannte Zusammensetzung der Linse aus genau concentrischen und für die Fischlinse auch hinreichend genau sphärischen Lamellen zu suchen. Es müsste denn sein, dass man es für erlaubt erachtete, der Natur die Lösung einer Frage aufzubürden, deren Aufstellung wenigstens die elementare Mathematik verbietet ; die Frage nämlich, wie ein System genau sphärischer und concentrischer Lamellen beschaffen gedacht werden müsse, um von einem und demselben ebenen Schnitte doch an mehr als einer Stelle tangirt werden zu können. Ebenso unzulässig