﻿208 Ueber das Wesen der auf Linsenschliffen entdeckten Curvensysteme.
vergessen, dass die Fasern, welche zu einer Lamelle gehören, d. h. in einer und derselben Kugelschale liegen, kein Continuum bilden, sondern durch regelmässige Spalten aus einander gehalten werden, deren Breite der langen Seite des sechseckigen Querschnittes der Fasern entspricht, vergl. Fig. 2.
Ich erwähne dies, weil es sich hieraus erklärt, warum auf den Linsenschliffen das den Lamellen direct entsprechende Curvensystem aus regelmässig unterbrochenen Linien besteht, und warum die Unterbrechungen zweier auf einander folgenden Curven dieses Systems so zu sagen alterniren (vergl. Fig. 1). Auf die Construction jener geometrischen Zeichnungen zurückkommend, welche unserer ungeübten Imagination bei der Beantwortung der oben aufgestellten Frage zu Hülfe kommen müssen, bemerke ich, dass ich dabei weder auf die eben erwähnte Beschaffenheit der Lamellen, noch auf den sechseckigen Querschnitt der Fasern, welcher vielmehr als viereckig angenommen wurde, Rücksicht genommen habe — um nämlich die Verhältnisse durch keine unwesentlichen Bedingungen zu compliciren. Die nach den gewöhnlichen Regeln gezeichnete Construction Fig. 3 A, B, C ist durch sich selbst klar und bedarf keiner weitern Erläuterung. Nur bezüglich der schachbretartigen Scliattirung will ich anmerken, dass sie lediglich deshalb angebracht wurde, damit die Anordnung der Faserdurchschnitte und -entblössungen in mehrfachen concentrischen Curvensystemen deutlicher hervortreten möge.
Ist es mir schon oben gelungen, dem THOMAs’schen Paradoxon die Spitze abzubrechen, so habe ich doch erst durch die eben besprochene Construction, das Problem der TnojiAs’schen Curvensysteme, auf eine allgemein gütige Weise gelöst. Es liegt nicht in meiner Absicht und würde mich zu weit führen, auf dem betretenen Wege ins Specielle einzugehen. Dies überlasse ich Jenen, welche sich die Faserung der Linse zum Gegenstände einer eingehenden Untersuchung erwählen werden, und erlaube mir nur noch schliesslich nochmals daran zu erinnern, dass sich Dr. C. Thomas in Königsberg, wenn es ihm selbst auch nicht vergönnt war, über seine Entdeckung zur Klarheit zu kommen und seinen Untersuchungen, welche ich schon früher in einem Punkte aufzuklären Gelegenheit hatte (siehe Prager Viertel-jahrsclir. Bd. 44, S. 176) 1 , einen solchen Grad von Vollendung zu
1 Ich erlaube mir hier meine a. a. (). über die Saugplatte des Rüssels der Stubenfliege, deren Abdrücke, wie ich zeigte, von Thomas als eigenthümliche »schildförmige Körper« an einigen Dorschlinsen beschrieben wurden, gemachten Angaben nachträglich zu erweitern und in einem Punkte zu berichtigen.
Das von mir beschriebene System von aufgeschlitzten, tracheenartigen Röhren