﻿Ueber das Wesen der auf Linsenschliffen entdeckten Curvensysteme. 209
geben, um ihnen eine wissenschaftliche Geltung zu verschaffen, — doch ohne Frage durch seine neue Präparationsmethode und die hierdurch ermöglichte Entdeckung der concentrischen Curvensysteme ein bleibendes Verdienst um die Histologie der Krystalllinse erworben habe.
der Saugplatte ist, was ich übrigens bereits früher vermuthet hatte, und nun mit Sicherheit aussprechen kann, in der That kein Abschnitt des Tracheensystems der Fliege, sondern steht vielleicht mit dem unpaaren Ausführungsgange der Speicheldrüsen, welcher merkwürdiger Weise Tracheenstructur besitzt, in Beziehung, was ich jedoch nicht bestimmt behaupten kann.
Das tracheenartige Ansehen der geschlitzten Röhren rührt nicht, wie ich früher glaubte, von einem platten, im Zickzack gebogenen hornigen Faden her, sondern von vielen einzelnen, quergestellten hornigen Stäbchen, welche die Form einer kleinen Gabel mit zwei kurzen gebogenen Zinken und einem langen, dünnen Stiel besitzen, und so geordnet sind, dass die Zinken des 1., 3., 5., 7. ... Stäbchens und das einfache Stielende des 2., 4., 6., 8. . . . Stäbchens den einen, dagegen die Zinken des 2., 4., G., 8. . . . und das einfache Stielende des 1., 3., 5., 7. . . . Stäbchens den andern Rand der aufgeschlitzten Röhre bilden helfen, indem die Stellung der unmittelbar benachbarten Stäbchen eine entgegengesetzte ist und ihre gleichnamigen Enden abwechselnd nach der einen und nach der andern Seite gerichtet sind.
Prag, den 12. Januar 1S55.
Erklärung der Abbildungen.
Tafel 10.
Fig. 1 stellt die drei concentrischen Hauptcurvensysteme, welche gewöhnlich auf einem parallel mit der Sehaxe, senkrecht auf die Aequatorebene geführten Schliffe einer Dorschlinse erscheinen, bei einer etwa 350maligen Yergrösserung dar. Man erkennt deutlich, dass sich die Curven aus den Contouren der Schnittenden der einzelnen Linsenfasern zusammensetzen. Dort, wo die Fasern in grösserer Ausdehnung auf dem Schliffe erscheinen, ist ihre seitliche Zähnelung zu sehen und lässt keinen Zweifel über die directe Beziehung der Faserung der Linse zu den THOMAs’schen Curvensystemen. Beiläufig erlaube ich mir hier noch auf einen, im Texte nicht erwähnten Umstand aufmerksam zu machen, welcher insofern von grosser Bedeutung ist und eine genauere Erörterung verdient, als er den gewöhnlichen histologischen Charakter der Curvensysteme wesentlich bedingt.
C'zermak, Schriften.
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