﻿210 Ueber das Wesen der auf Linsenschliffen entdeckten Curvensysteme.
Je nach ihrer topologischen Beziehung zur Schnittebene werden die Linsenfasern nämlich theils gänzlich durchschnitten, theils in grösserer oder geringerer Ausdehnung angeschnitten, theils endlich nur entblösst. Da nun aber die Fasern meist sehr diinn, d. h. bedeutend bandförmig abgeplattet sind und einen gewissen Grad von Sprödigkeit besitzen, so bröckeln die dünnsten und dünneren Stellen ihrer Durchschnitte und Anschnitte, beim Schneiden und Poliren der Linsen, häufig ganz heraus, — und es entstehen dann statt der reinen Schnittenden Furchen und Vertiefungen, welche letzteren den Contouren der ersteren niemals ganz vollständig entsprechend begrenzt sind. Diese auf die angegebene Weise motivirten Furchen und Grübchen, welche die auf den Schliffen erscheinende Figur der Faserdurchschnitte im Ganzen und im Einzelnen oft nicht unwesentlich verändern, zeichnen sich, wie bekanntlich alle ähnlichen mikroskopischen Unebenheiten der Oberfläche, durch einen eigenthiiinlichen Lichtschimmer aus, welchen ich in der Zeichnung durch eine zarte Schattirung wieder zu geben versucht habe. Es versteht sich von selbst, dass die erörterte Erscheinung weder auf allen Linsenschliffen, noch auf allen Punkten eines Schliffes in gleicher Ausdehnung zu beobachten ist. Die Richtung der Schnittfläche, die Dimensionen der Fasern, der grössere und geringere Grad der Sprödigkeit ihrer Substanz und endlich die mehr oder weniger sorgfältige und geschickte Präparation kommen hierbei wesentlich in Betracht. — Diese Andeutungen werden künftigen Beobachtern von Nutzen sein !
Zur weitern Orientirung erwähne ich noch, dass die optische Axe der Linie .1 B, die projicirte Aequatorebene aber der Linie CD entspricht.
Fig. 2 stellt ein Stück eines senkrecht auf den Verlauf der Linsenfasern geführten Schnittes dar.
Fig. 3 liefert den constructiven Beweis, dass die Durchschnitte und Entblüs-sungen eoncentrisch in der Richtung der Meridiane verlaufender und in Folge dieser Anordnung eine Kugel zusammensetzender Fasern von viereckigem Querschnitt, auf einer senkrecht auf die Aequatorebene. parallel zur Axe der Kugel geführten planen Schnittfläche in mehrfachen, sich interferirenden, concentrischen Curvensystemen angeordnet erscheinen müssen. Fig. A zeichnet, nach den gemachten Voraussetzungen, das Verhalten der Fasern auf einer durch die beiden Pole der Kugel geführten Durchschnittsebene, während Fig. B das Verhalten der Fasern auf der mit der Aequatorebene zusammenfallenden Schnittfläche giebt. Die Linie ab ist in beiden Figuren, A u. B, die Projection jener senkrecht auf den Aequator und parallel mit der Seliaxe geführten Durchschnittsebene, für welche die, auf derselben nothwendig erscheinende Form und Anordnung der Faserdurchschnitte construirt werden soll.
Die nach bekannten Regeln, durch Combination von A u. B, ausgeführte Construction ist nun Fig. C, deren schachbretartige Schattirung bestimmt ist, die Anordnung der Faserschnitte deutlicher sichtbar zu machen. Man wird dabei bemerken, dass die beiden seitlichen Curvensysteme, welche übrigens vollkommen congruent sind, eine durchaus entgegengesetzte Schattirung zeigen. Dies rührt daher, dass die in dem innersten Kreise des mittlern concentrischen Systems entblössten Fasern in gerader Zahl vorhanden sind. Der Mittelpunkt der Construction ist zufällig zwischen zwei Fasern, statt in die Halbirungslinie einer Faser gefallen.