212	Ueber das Wesen und die Entstehung der Thomas'schen Krper.

diese ganze aufgetrocknete Masse deutlich eine feingegliederte faserige
Structur zeigte, gleichsam als wre sie nur aus nicht mehr zu sondern-
den Fasern dieses Gebildes entstanden. THOMAS hat diese Gebilde
nicht wieder an anderen getrockneten Linsen aufgefunden. Von der
Richtigkeit seiner Angaben habe ich mich im Allgemeinen an mehre-
ren, mir von ihm geschickten getrockneten Dorschlinsen berzeugt,
ohne jedoch die Erkenntniss des Gegenstandes wesentlich zu fordern.
Vor Kurzem erst bin ich zufllig darauf gekommen, was diese rthsel-
haftell Krper eigentlich sind, und wie sie entstehen. Ich beeile mich
meinen Fund zu verffentlichen, nicht nur um die Frage fiber die
TH0MAS'schen Krper zu erledigen, sondern auch um auf eine neue
Art von Gebilden aufmerksam zu machen, welche noch an man-
chen anderen Orten (z. B. im Bernstein?) vorkommen, und leicht Ver-
anlassung zu Missdeutungen gehen knnen.
	Schon THOMAS selbst hat es, als besonnener Beobachter, nicht
gewagt, die schildfrmigen Krper direct mit der Oeconomie des
Auges in Verbindung zu setzen. Es wird sich alsbald zeigen, wie
sehr er Recht hatte, so vorsichtig zu Werke zu gehen. Er hat seine
unzweifelhaft neue und auffallende Beobachtung einfach und anspruchs-
los mitgetheilt, ohne eine Deutung zu versuchen, und verdient daher
eine rcksichtsvolle Kritik. Die Aehnlichkeit der doppeitgezahnten
Fasern der schildfrmigen Krper mit den eigentlich en Fasern der
Dorschuinse entschuldigt Hrn. THOMAS brigens vollkommen, wenn er
der ganzen Sache mehr Wichtigkeit zugeschrieben und mehr Aufmerk-
samkeit zugewendet hat, als sie, nach der berraschenden Aufklrung,
welche ich sogleich geben werde, hat und verdient.
	Die von THOMAS beschriebenen und abgebildeten schild f r mi-
gen Krper sind nmlich gar nichts Anderes, als mehr oder we-
niger vollstndige Abdrcke der Saugplatte des Rs-
sels der gemeinen Stubenfliege (Musca dornestica L., und
kamen dadurch zu Stande, dass die Fliegen, welche sich in THd1AS'
Stube whrend der Trocknung der zehn Dorschlinsen befanden, von
der eingedickten klebrigen Substanz des auftrocknenden Glaskrpers
naschten. Die aufmerksame vergleichende Untersuchung der untern
Flche der Saugplatte des Fliegenrssels und der Zeichnung der
THOMAs'schen Krper lsst wohl kaum einen Zweifel aufkommen ber
die angegebene Beziehung, in welcher diese Gebilde zu einander
stehen. Der hnlich einer Federfahne angeordneten Doppelreihe von
doppeitgezahnten (scheinbaren) Fasern :eigentlich Furchen) der schild-
frmigen Krper entspricht eine eben so angeordnete Summe von Rhren
der Saugplatte, welche auf der untern Flche derselben convex
