﻿Ueber die Accommodationslinien.
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Die optischen Argumente für die Nothwendigkeit des Accommo-dationsvermögens haben nämlich so lange kein Gewicht, so lange man nicht gezeigt hat, dass die Retina die, die Undeutlichkeit der Bilder bedingenden Zerstreuungskreise auch wirklich wahrzunehmen im Stande ist.
Die Retina ist in der That im Stande, die Undeutlichkeit der Bilder, wie dieselbe mit optischer Nothwendigkeit entsteht, wahrzunehmen, doch da die Schärfe der Retina endlich ist, so werden Zerstreuungskreise, deren Durchmesser die Bildgrösse der kleinsten noch wahrnehmbaren Objecte, welche nach Volkmann , Hueck und Listing auf die Sehwinkelgrenze von '/4 Bo-genminute führen, und somit auch die durch dieselben bedingte Undeutlichkeit der Bilder nicht mehr wahrgenommen. Dies vorausgeschickt, ergibt sich zunächst :
1.	dass Dringlichkeit und Grösse der inneren Veränderungen behufs der Accommodation in der Nähe viel bedeutender sind, als beim Sehen in weiteren und weiteren Fernen.
Listing hat diesen Satz, a. a. O., S. 500, bestätigt und zugleich berechnet, dass das Auge für Objectweiten von oo bis 65 m keiner Accommodation bedarf, da die innerhalb dieser Breite entstehenden Zerstreuungskreise unter die Grenze des Sichtbaren fallen.
Aus denselben Prämissen folgern wir ferner :
2.	dass das Auge niemals für einen Punkt, sondern immer für eine Reihe von hinter einander liegenden Punkten, d. i. für eine Linie accommodirt ist. Diese Linie nannte ich Accommodationsliuie, und füge jetzt noch die genauere Bestimmung »im engeren Sinne« hinzu. Der Punkt dieser Accommodationslinie, für dessen Entfernung das Auge eigentlich optisch eingerichtet ist, heisst der Accommodationspunkt. Früher hatte ich diesen Punkt als den Hauptpunkt bezeichnet, glaubte aber, um nicht mit Listing’s dioptrischen Terminologie zu collidiren, diesen Ausdruck mit dem vorhin gebrauchten vertauschen zu sollen.
Alle in der Accommodationslinie i. e. S. liegenden Objecte werden zu gleicher Zeit mit derselben relativen Deutlichkeit gesehen. Die Objecte, welche diesseits oder jenseits der Accommodationslinie i. e. S. liegen, nehmen mit der Entfernung vom Accommodationspunkte an Undeutlichkeit zu.
Um dieses Verkältniss graphisch auszudrücken, könnte man die als eine einfache Linie dargestellte Accommodationslinie i. e. S. an beiden Endpunkten in dem Maasse sich verbreitern oder in zwei diver-