	Ieber die Aecommodationslinien.	221

sere oder kleinere Strecke des Fadens vollkommen, deutlich, whrend
die beiden Enden des Fadens verschwommen und wie aufgerollt aus-
sehen. Jene deutliche Strecke des Fadens entspricht der Accommo-
dationslinie i. e. S., und der oben aufgestellte Satz, dass das Auge
nie fr einen Punkt, sondern fr eine Linie eingerichtet
ist, wird hiermit besttigt. Lsst. man das Auge, durch Aenderung
der Accommodationszustnde, an dem Faden hin- und zurckgehen,
so wird man bemerken, wie jene deutliche Strecke (die Accommoda-
tionslinie) dem vorwrts und rckwrts geschobenen Accommodations-
punkte folgt, und zugleich an Lnge zunimmt und abnimmt, je nach-
dem der Accommodationspunkt von dem Auge entfernt, oder, dem Auge
genhert wird. Ferner wird man leicht beobachten knnen, dass je
nher der Aecommodationspunkt dem Auge liegt, die Accommodations-
linie i. e. S. auch um so schrfer begrenzt, d. h. der Uebergang zu der
Undeutlichkeit der Endstucke des Fadens viel rascher und schroffer ist.
	Endlich kann dem Beobachter auch nicht entgehen, wie viel be-
deutender die Undeutlichkeit des dem Auge zugekehrten Fadenendes
fr gleiche Lngen zunimmt, als die des abgekehrten Fadenendes.
Hierbei ergeben sich nach dem Grade der Schrfe der Retina und nach
den Verhltnissen des optischen Apparates zahlreiche individuelle
Verschiedenheiten.
	b) Man mache auf eine Glasplatte einen Punkt mit Tinte oder
Farbe, und halte dieselbe vor eine Druckschrift. Mit dem Auge nhere
man sich der Platte so viel als mglich, doch so, dass man den auf-
getragenen Punkt noch vollkommen deutlich sehen kann. Bei der ge-
ringsten Aufmerksamkeit stellt sieh nun heraus, dass, wenn der Punkt
auf der Glasplatte deutlich gesehen wird, die dahintergelegene Druck-
schrift ganz undeutlich erscheint, und umgekehrt.
	Es hngt von der Willkr ab, bald dieses, bald jenes Object klar
und deutlich zu sehen. Dies ist, beilufig gesagt, der einfachste und
schlagendste Beweis fr die Existenz eines willkrlichen Accommo-
dationsvermgens. Beobachtet man whrend dieses Versuches noch
etwas genauer, so wird man eine auffallende Verschiedenheit in dem
Grade der Undeutlichkeit jenes Objectes finden, fr welches das Auge
gerade nicht accommodirt ist, wenn man sich mit dem Auge von der
Glasplatte entfernt, ohne jedoch an der Stellung derselben zu der
Druckseh rift das Mindeste zu ndern. J e w eiter sieh nun das Auge
von den Objecten, oder dieObjeete vom Auge entfernen, desto ge-
ringer wird die Undeutlichkeit des Gegenstandes, fr welchen das
Auge nicht accommodirt ist, bis endlich in einer bestimmten Entfer-
nung, welche coeteris paribus mit der Grsse des Abstandes zwischen
