	TJeber die Aceommodationslinien.	223

ihrer Entfernung und je nach dem festgehaltenen Accommodations-
zustande, in bekannter Weise einfach oder doppel.
	In dem einen Versuche war mein Auge fr eine Entfernung von
7 Wiener Zoll accommodirt. Die in dieser Entfernung stehende Nadel
erschien daher einfach. Die Nadel; welche 4" entfernt war, erschien
schon im Doppelbilde, ebenso die Nadel, welche 27" entfernt war,
mit dem bemerkenswerthen Unterschiede jedoch, dass der Abstand
der Doppelbilder von einander im ersten Falle 3/4 Wiener Linien, im
zweiten aber nur 3/s" betrug. Die Nadel von 10" Entfernung, war
hingegen mit fast derselben Deutlichkeit und einfach zu sehen, wie die
7" weit entfernte Nadel, welche im Accommodationspunkte stand. Die
Accommodationslinie i. e. S. betrgt also bei 3".
	Im zweiten Versuche war das Auge fur eine Entfernung von 13"
accommodirt. Eine daselbst aufgestellte Nadel erschien einfach und
klar, aber auch noch bei 19" Entfernung war dies der Fall. Die
Accommodationslinie 1. e. S. betrug hier schon 6". Bei 27" Entfernung
erschien die Nadel zwar schon unzweifelhaft in Doppelbildern, allein
der Abstand derselben war kaum mit Sicherheit zu messen. Erst in
einer Entfernung von 844" betrug die Distanz der Doppelbilder einer
Dachrinne des gegenber liegenden Hauses 1/2". Hingegen standen
die Doppelbilder einer 7" entfernten Nadel 2/" von einander ab.
	Tragen wir nun die Entfernungen in verkleinertem Maassstabe
als Abseissen auf eine gerade Linie, und verzeichnen die Abstnde der
Doppelbilder (ohne dieselben auf einen kleineren Maassstab zu rethi-
ciren), als Ordinaten, so erhalten wir folgende zwei Curven (Fig. 1 und
2 Taf. ii), deren Vergleichung eine abermalige Bekrftigung der
Lehre von den Accommodationslinjen ist.
	Es wre wnschenswerth, zahlreiche und genaue Messungen von
Accommodationsljnjen zu besitzen, da dieselben ber die optischen
Eigenschaften des lichtbrechenden Apparates der Augen, und ber
die Schrfe der Retina zugleich Aufschluss geben. Es wrden sich
individuelle Verschiedenheiten des Verhltnisses zwischen diesen bei-
den Momenten des Sehens ergeben, aus welchen sich ein normaler
Mittelwerth dieses Verhltnisses gewinnen liesse.
	Freilich msste man eine bessere Messungsmethode anwenden,
als die oben niitgetheilte, da dieselbe manche Schwierigkeit und
Fehlerquelle bietet.
Ich hebe namentlich die Schwierigkeit heraus, eine Reihe von
Nadeln so -in einet-geraden Linie hinter einander aufzustellen, dass
sich die entstehenden Doppelbilder nicht decken, und den Beschauer
nicht verwirren. Da man nicht sicher ist, dass der Accommodations-
