	Ueber die Acominodations1inien.	225

Basen und Querschnitte kreisfrmig und deren Spitzen durch
eine Linie (Accommodationslinie i. e. S.) verbunden wren und von
denen der Kegel, dessen Basis auf der Cornea steht, einen stumpferen
Scheitelwinkel bessse, als jener dessen Basis vom Auge abgewendet ist.
	Wenn hingegen die brechende Kraft unseres optischen Apparates,
wie es nach A. FICK wirklich der Fall ist, in der verticalen Ebene
eine andere wre, als in der horizontalen und wenn diese beiden
Extreme allmhlich in einander bergingen, dann wrden die beiden
Kegel der krperlichen Accommodationslinie elliptisch e Basen und
Querschnitte bekommen, deren Durchmesser sich fr jeden einzelnen
Accommodationszustand und innerhalb einer und derselben Accoimno-
dationslinie in bestimmten Verhltnissen gesetzmssig ndern mssten.
	Eine solche krperliche Accommodationslinie wre der vollstn-
dige Ausdruck der einem bestimmten Accommodationszustaud ent-
sprechenden, bei demselben Grade der Aufmerksamkeit, durch die
Schrfe der Retina einerseits (physiologisch), anderseits durch den
optischen Apparat (physikalisch) bedingten Verhltnisse der Deutlich-
keit, mit welcher leuchtende in einer unendlichen Reihe hintereinan-
der liegende Punkte wahrgenommen werden knnen.
	b) Die Lehre von den Accommodationslinien, welche ich in der
vorstehenden Abhandlung nur in den allgemeinsten Grundlinien
skizzirt, und deren weitere Ausfhrung in Bezug auf die von A. FICK
erkannten Eigenschaften des optischen Apparates ich durch den eben
mitgetheilten Zusatz angedeutet habe, muss auch noch in Beziehung
auf das indirecte Sehen ausgefhrt werden, da bisher hiervon nicht
ausdrcklich die Rede gewesen ist.
	Es ist bekannt, dass die Feinheit des Raumsinnes der Retina
von dem Axenpunkte an nach der Peripherie hin in beraus rascher
Progression abnimmt. Diese Abnahme der Feinheit des Raumsinnes
ist nun so bedeutend, dass die Zerstreuungskreise, welche in Folge
unpassender oder unvollkommener Accommodation auftreten, nur fr
die um den Axenpunkt gelegene etwa 1//2 Pariser Linien im Durch-
messer haltende Flche 1) der Retina leicht wahrnehmbar und merklich
strend sein knnen, whrend dieselben fr den stumpferen periphe-
tischen Theil der Retina immer bedeutungsloser werden und endlich
so gut wie gaicht vorhanden sind.
	Von der Richtigkeit des Gesagten kann man sich leicht ber-
zeugen, wenn man ein passendes Object indirect, d. h. vermittelst

	1 Vergl. E. H. WEBER: 'Ueber den Raumsinn, in den Berichten ber die
Verhandi. der kn. Achs. Gesellschaft der Wissenseh. zu Leipzig. II, 1853, 
S. 136.
Czerniak, Schriften.	15
