218 	Ueber die Accommodationslinien.

wir jedoch die Verhltnisse der Vereinigungsweiten bei zwei verschie-
denen Accommodationszustnden des Auges, so werden wir caeleris
paribus verschiedene absolute und relative Zahlenwerthe finden. Denn
da durch das Co nyc xc r werden der vorderen Flche der Linse beim
Aceommodiren fr die Nhe der lichtbrechende Apparat des Auges
eine krzere Brennweite bekommt, so werden smmtliche Vereini-
gungsweiten der Lichtstrahlen, welche von nheren und ferneren Ob-
jecten kommen, und die Unterschiede derselben, in einem gewissen
Verhltnisse, geringer ausfallen mssen.
	Es wre unter solchen Umstnden sogar der Fall denkbar, dass
durch das Accommodiren f Ii r die Nah e, in Folge der Verkleinerung
der Brennweite, die Vereinigungsweiten derart verkrzt wrden, dass
die von nah crc n Gegenstnden kommenden Lichtstrahlen in Ent-
fernungen vereinigt wrden, deren Differenzen absolut geringer aus-
fielen, als die Unterschiede der Vereinigungsweiten von Lichtstrahlen,
welche von entfernteren Obj ecten kommen, wenn das Auge durch
Abplattung der vorderen Linsenflche und Vergrsserung der Brenn-
weite fr die Ferne accommodirt ist. Funde dieser extreme Fall
fr das Auge statt, so wrde das deutliche Sehen in der Nhe gerin-
gere Vernderungen nothwendig machen, als das Sehen in der Ferne.
Da aber nach LISTING'S') Berechnung das ganze Accommodations-
Intervall, bei Augen von grsstem Anpassungsumfang, auf 3-4 ram
anzunehmen ist, so kann der Unterschied der Brennweiten, welche den
Accommodationszustnden fr die Nhe und fr die Ferne entsprechen,
nicht in dem Grade bedeutend sein, um jenen extremen Fall fr das
Auge mglich zu machen.
	Demnach ist es uns, trotz des neu entdeckten Adaptionselementes,
doch erlaubt, die oben errterten Gesetze der Vereinigungsweiten und
die Folgerungen aus denselben im Allgemeinen auf das Auge anzu-
wenden, was im Folgenden geschehen soll. Bevor ich weiter fortfahre,
muss ich jedoch der Feinheit des Raumsinnes des lichtempfindenden
Theiles des Auges gedenken, denn dieses subjective Moment spielt
in der Lehre vom deutlichen Sehen in verschiedenen Entfernungen
und vom Accommodationsvermgen eine wichtige Rolle, auf welche ich
a. a. 0. bereits ausdrcklich aufmerksam gemacht habe.
	Ich habe darauf hingewiesen, dass sich die Nothwendigkeit
eines Adaptionsvermgens gar nicht einsehen und beweisen lsst,
wenn man nicht neben den rein optischen Betrachtungen, auch der
Schrfe der rumlichen Wahrnehmung auf der Retina Rechnung trgt.







LisTiNg in WAGNER'S Handwb. IV. Ba. Art. Dioptrik des Auges.
