220 	Ueber die Accommodationslinien.

girende Linien auflsen lassen, als die Undeutlichkeit der Bilder der
diesseits und jenseits der Accommodationslinie i. e. S. gelegenen Ob-
jecte zunhme.
	Eine solche graphische Darstellung des einem jeden
Accommodationszustande entsprechenden, durch die
endliche Schrfe der Retina einerseits, andererseits
durch die optischen Gesetze bedingten Verhltnisses der
Deutlichkeit einer unendlichen Reihe, stetig hinter ein-
ander gelegener Objecte, nenne ich eine Accommoda-
tionslinie im weiteren Sinne.
	Es entspricht natrlich j e dem Accommodationszustand eine be -
s on der e Accommodationslinie im weiteren Sinne, deren es daher fr
ein und dasselbe Auge unendlich viele und verschiedene geben wird.
Verschiedene Individuen unterscheiden sich je nach der Beschaffenheit,
des optischen Apparates und der Schrfe der Gesichtswahrnehmung
durch ihre Aceommodationslinien.
	Bei genauerer Ueberlegung kommen folgende Eigenschaften der
Accommodationslinien zum Vorschein.
	1. Die Accommodationslinien i. e. S. sind nicht gleich lang,
sondern nehmen mit der Entfernung des Accommodationspunktes vom
Auge, unter brigens gleichen Umstnden zu.
	2. Die Accommodationslinien sind um so scharfer begrenzt, je
nher der Accommodationspunkt dem Auge liegt.
	3. Der Aceommodationspunkt liegt nicht in der Mitte der Accom-
modationslinie, sondern nher dem, dem Auge zugewendeten Ende
derselben.
	4. Endlich nimmt die Verbreiterung der Linie oder die Divergenz,
welche, wie oben erwhnt, das allmhliche Undeutlichwerden der
diesseits oder jenseits der Accommodationslinie gelegenen Obj ecte
graphisch andeuten soll, an dem, dem Auge zugekehrten Ende weit
rascher zu, als an dem abgekehrten Ende. Dies Verhltniss wird mit
der grsseren Entfernung des Accommodationspunktes vom Auge we-
niger auffallend.
Schliesslich erlaube ich mir eine Anzahl von Versuchen mitzu-
theilen, welche durch die vorangeschickten theoretischen Betrach-tungen ihre 
Erklrung finden, und die Richtigkeit meiner Lehre von
den Accommodationslinien besttigen.
	a) Spannt man einen langen dnnen Faden in der Verlngerung
der optischen Axe des geffneten Auges auf, so nimmt der Faden voll-
stndig das Bild einer Aceommodationslinie i. w. S. an. Es erscheint
in der Umgebung des fixirten (Accommodations-) Punktes eine gro-
