222 	Ueber die Aceommodationslinien.


den beiden Objecten (hier der Glasplatte und der Druckschrift) wchst,
beide Gegenstnde zu gleicher Zeit mit derselben relativen Deutlich-
keit gesehen werden. Dies ist der experimentelle Nachweis, dass die
beiden oben entwickelten Gesetze der Differenzen der Vereinigungs-
weiten, trotz der Vernderung des Krmmungshalbmessers der vor-
deren Linsenflache beim Accommodiren fr die Nhe und Ferne, doch
fr unser Auge volle Geltung haben.
	Beim Sehen in der Nhe gengt schon ein Abstand von wenigen
Linien zwischen zwei hinter einander liegenden Objecten, urn eine
auffallende Differenz der Vereinigungsweiten der Lichtstrahlen dieser
Objecte zu setzen, und einen hohen Grad von Undeutlichkeit des-
jenigen Objectes zu bedingen, fr welches das Auge nicht aceommo-
dirt ist; whrend beim Sehen in der Ferne klafterweit aus einander
gelegene Thrme noch mit derselben relativen Deutlichkeit erscheinen,
mag man den nheren und den ferneren derselben fixiren.
	Betragen die Entfernungen zwischen 65 m und , so hrt mit dem
Bedrfnisse auch die Mglichkeit einer weitern Accommodation auf.
	Hiermit ist auch der Satz experimentell erwiesen,' dass die Dring-
lichkeit und Grsse der Accommodationsbewegungen beim Sehen in
der Nhe viel bedeutender sind, als beim Sehen in weiteren und
weiteren Fernen.
	Diesen Satz, welchen ich schon a. a. 0. aufgestellt.habe, hat
neulich CRAMER in seiner angefhrten trefflichen Preisschrift Aber
das Aceommodationsvermgen der Augen, ohne au meine frhere
Verffentlichung Rcksicht zu nehmen, besttiget.
	e) Da in den eben mitgetheilten Versuchen alle Hauptstze
meiner Lehre von den Aecommodationslinien experimentell nachge-
wiesen sind, so will ich es nur noch versuchen, zwei bestimmte Aceom-
modationslinien meines rechten Auges graphisch darzustellen.
	Ich bediene mich zu diesem Zwecke des oft gebrauchten
ScHEINER'schen Versuches und des Optometers, welches HA5NER in
der Prager Vierteljahrsehrift, Bd. 32. beschrieben hat.
	Ich befestigte in der rechten Augenffnung der an dem einen
Ende des horizontalen Brettes des Optometers angebrachten Larve
ein Kartenblatt, in welches zwei feine Lochelchen gestochen waren,
und stellte auf das horizontale Brett in verschiedenen Entfernungen
vom Kartenblatte Nhnadeln auf, welche die Spitzen frei nach oben
kehrend, in kleinen Waehskltzchen staken.
	Sah ich durch die Lochelchen des Kartenblattes auf die in gerader
Linie hinter einander stehenden Nadeln, so sah ich dieselben je nach
