234 	IJeber die Wirkung punktfrmiger Diaphragmen auf das Sehen.

ung nichts hinzuzufgen. Wenn ich trotzdem auf die mitgetheilte Be-
obachtung zurckkomme, so geschieht dies, um durch die allseitige
Errterung der Bedingungen des Versuches jenes Moment aufzufinden,
welches den Verstand bestimmt, die stetige Verkleinerung der Bilder,
welche sowohl durch allmhliches sich Verklei1nern der
Objecte, als durch allmhliches Entfernen derselben
in der Dimension der Tiefe, hervorgebracht sein knnte, gerade
nur in der letzteren Weise auszudeuten und anzuschauen. In der Ver-
grsserung und Verkleinerung des Gesichtswinkels, unter welchem die
Objecte erscheinen, kann man offenbar die Erklrung dieser Thatsache
nicht finden, denn mau begriffe dann nicht, warum gerade die zweite
und nicht vielmehr die erste Mglichkeit der Auffassung Wirklichkeit
wird. Die Vernderung der Grsse des Gesichtswinkels bedingt an
und fr sich keine scheinbare Verrcknug der gesehenen Obj eete in
der Dimension der Tiefe. Erst wenn gewisse andere Momee hinzu-
kommen oder wegfallen, erhlt die Vernderung des Gesichtswinkels
in der Anschauung eine bestimmte Deutung und bestimmten Werth.
Unser Urtheil ber die Entfernung eines Gegenstandes in der Dimen-
sion der Tiefe, wird bekanntlich wesentlich durch den Convergeuz-
winkel der Sehaxen und durch den Zustand des Accommodations-
apparates, ferner in zweiter Linie auch durch die relative Lichtstarke
und  vielleicht  durch die verschiedene Grsse der Zerstreuungskreise,
unter welchen die Gegenstnde erscheinen, bestimmt. 1)
	Was die Art angeht, in welcher diese Momente unser Urtheil be-
stimmen, so gilt, unter brigens gleichen Umstnden Folgendes.
	Ad 1. Je strker die Augenaxen eonvergiren mssen, um auf
einem Gegenstande einzuschneiden, desto nher erscheint uns derselbe
und umgekehrt.
	Ad 2. Die Gegenstnde erscheinen uns nm so nher, je grsser
die Anstrengungen sind welche die Muskeln des Einrichtungsappa-
rates machen mssen, um das Auge fr divergirende Strahlen, d. h.
fr die Nhe zu aeeommodiren und das Bild deutlich zu entwerfen,
und vice versa. Ich erinnere hier namentlich an die scheinbare Ent-
fernung oder Nherung eines auf der Retina vorhandenen Blendungs-
bildes, je nachdem das Auge fr die Ferne oder die Nhe aecommothrt
wird.
	Ad 3. Nach LUDWIG gewinnt the Lichtstrke nur jenseits
der deutlichen Seheweite und in Abstnden, in welchen die Gegen-
stnde mit fast parallelen Strahlen aufgefasst werden, Einfluss auf die

Vgl. Lunwici: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. 1853, Bd. I, 5. 253.
