258 IJeber den Zusammenhang zwischen der Convergenz der Augenaxen etc.

der Augenstellung eine entsprechende Vernderung
der Refractionszustnde der Augen, und umgekehrt,
zur Folge hat.
	Schliesslich erlaube ich mir noch einige Gedanken ber das
Wesen dieses Zusammenhanges mitzutheilen.
	VOLKMANN bezeichnet den Verband zwischen Accommodation und
Augenstellung schlechthin als Sache der Gewhnung. Mir scheint
jedoch diese Erklrungsweise nicht auszureichen, obschon sie ohne
Zweifel ein berechtigtes Moment enthlt. Ich glaube, dass die Be-
wegungscentra fr die verknpften Thtigkeiten in einem solchen
organischen Verhltnisse und Zusammenhange gedacht werden
mssen, dass sich der Reiz, welchen der Wille auf das eine derselben
ausbt, notliwendig auch auf das andere bertrgt und daselbst ein
bestimmtes Quantum Bewegung auslst.
	Der Beweis fr diese Art der Verkettung liegt, wie mir scheint,
darin, dass selbst das verdeckte Auge seine Stellung um ein Be -
stimmte s ndert, wenn das offene einen anderen Accommodations-
zustand annimmt (vgl. MLLER a. a. 0. S. 336). Zu bemerken ist
jedoch dabei, dass, wenn das geschlossene oder verdeckte Auge auch
in Folge der Vernderung des Refractionszustandes des offenen seine
Stellung nothwendig ndert, diese Aenderung doch niemals eine g e -
na ue Einstellung desselben auf jenen Gegenstand, welchen das offene
Auge fixirt, nach sich zieht, indem, wie oben gezeigt wurde, beim
Oeffnen des geschlossenen Auges Doppelbilder wahrgenommen wer-
den. Die genaue Correction der Augenstellung erfolgt erst dann, wenn
beide Augen offen sind - und zwar rasch und unwillkrlich. Er g-
licht und geleitet wird die Correction durch die Doppelbilder, indem
dieselben in dem Maasse sich decken, als die Stellung der Augen ver-
bessert wird; sie sind daher der Leitstern der corrigiren-
den Thtigkeit. Es ist hiermit etwa so wie mit den zweckmssigen
Bewegungen, welche wir unbewusst zur Erhaltung des Gleichge-
wichtes ausfhren, wobei uns gewisse durch den Verlust des Gleich-
gewichtes gesetzte Empfindungen leiten.
	Wie mchtig diese instinctive Correction, welche in Folge des
Bestrebens einfach und deutlich zu sehen, und in Folge
der Gewhnung eintritt, sei, ersieht man aus den Versuchen mit
Brillenglsern, welche DONDERS allgegeben hat. (Siehe oben S. 246:.
Ich habe schon frher darauf hingewiesen, dass diese Versuche Bedin-
gungen setzen mssen, unter welchen die Trennung des legitimen und
gewohnten Zusammenhanges zwischen Accommodation und Augen-
stellung leichter mglich ist und selbst in j euer Richtung, in wel-
