﻿252 Ueber den Zusammenhang zwischen der Convergenz der Augenaxen etc.
Richtung corrigirt sich heim Oeffnen des Auges fast augenblicklich. Das Auseinandertreten der Bilder in horizontaler Richtung hingegen kann man nach manchen vergeblichen Versuchen nicht nur beliebig lange festhalten, sondern auch bis zu dem Maximum steigern lernen, welches unmittelbar nach dem Oeffnen des geschlossenen Auges auf-tritt. Je weiter der Gegenstand entfernt ist, desto mühsamer und anstrengender wird der Versuch und gelingt mir nicht mehr ohne die Beihülfe des Schliessens und Oeffnens eines Auges. Ich habe auch bemerkt, dass die Augenmuskeln nach lange fortgesetztem Experimen-tiren leicht so ermüden, dass die schon oft gelungenen Versuche durchaus nicht gelingen wollen.
Das Wachsen der Schwierigkeit des Versuches mit der Zunahme der Entfernung des Gegenstandes kann nicht befremden : denn man muss bedenken, dass die Augenaxen schon den Parallelismus erreicht haben, wenn der Abstand der Doppelbilder gleich ist dem Abstande der Drehpunkte der Augen, und bereits zu divergiren beginnen, wenn der Abstand der Doppelbilder noch um ein Minimum grösser wird.
Für entferntere Gegenstände ist der Abstand der Doppelbilder aber sehr bald gleich, ja grösser als der Abstand der Drehpunkte. Dass man unter diesen Umständen beim Versuch mit entfernteren Gegenständen die Augenmuskeln mehr anstrengen muss, als wenn die Objecte näher liegen, ist wohl begreiflich, wenn man im ersteren Fall Objecte von ungleich grösserer Breite als im zweiten Falle, in dem gleichen relativen Maasse zu Doppelbildern auseinandertreten lassen will.
Ich rathe aus diesem Grunde Jenen, welche sich von der Richtigkeit meiner Angabe über das willkürliche Divergirenlassen der Augenaxen durch Autopsie überzeugen wollen, Gegenstände zum Versuch" V.u wählen, welche nur einige Fuss weit entfernt sind. Es wird Ihnen hier leichter gelingen, den Durchkreuzungspunkt hinter den Accom-modationspunkt aus freien Stücken fallen zu machen, als bei entfernteren Objecten. Hat man nur erst ein Doppelbild zu Stande gebracht, dann erfolgt das weitere Auseinandertreten desselben mit Leichtigkeit, wenn man der nun eintretenden auf eigenthümlichc Art sich fühlbar machenden Bewegungs-Tendenz der Augen nicht hemmend entgegenwirkt, sondern dieselbe durch willkürliche Anstrengung befördert.
A 2. Bei unveränderter Accommodation für die Entfernung des Gegenstandes wollte es mir durchaus nicht gelingen, den Durchkreuzungspunkt der Sehaxen vor den Gegenstand fallen zu lassen. Presbyopische Individuen befinden sich hingegen durch die Mangel-