﻿256 Ueber den Zusammenhang zwischen der Convergenz der Augenaxen etc.
und B 2 behandelten Beziehung inniger und fester ist, als i n j e d e r a n d e r e n.
Am Eingänge dieses Paragraphes habe ich als ein empirisch gefundenes physiologisches Gesetz, den Satz aufgestellt, dass der »Accommodationszuständ der Augen iinmer der Entfernung des Durchkreuzungspunktes der Sehaxen entspricht, so dass eine Veränderung des Convergenz-winkels der Augenaxen auch eine Veränderung des Accommodationszuständ es d e r A u g e n u n d umgeke h r t zur Folge hat.«
Ueber die Richtigkeit dieses Satzes kann kein Zweifel sein, denn nur unter den in ihm enthaltenen Bedingungen ist ein deutliches Sehen mit beiden Augen möglich, allein die Vollständigkeit der Entwickelung des aufgestellten Gesetzes fordert noch die Erläuterung einer Conse-quenz, welche in der Formulirung des Gesetzes nicht ausdrücklich aufgenommen ist.
Unterwirft mau Fig. (3 Taf. 12 einer aufmerksamen Betrachtung, so wird man finden, dass, da d e r A c c o m modationszustand de r Augen immer der Entfernung des Durchkreuzungspunktes der Sehaxen entspricht, der Accommodationszuständ der Augen sich ändern kann, ohnedassderConvergenzwinkel der Augenaxen verändert wird.
Dies scheint mit obigem Gesetze im Widerspruche zu stehen, genauer genommen ist es jedoch eine nothwendige Consequenz aus demselben. Die in einem Müller’sehen Horopter gelegenen Punkte liegen in verschiedener Entfernung von den Augen, verlangen aber den gleichen Convergenzwinkel der Sehaxen, um einfach geselleïxzu werden, weil sie in der Peripherie eines Kreises liegen, welche die Drehpunkte der beiden Augen gleichfalls enthält und weil die derselben Sehne entsprechenden Peripheriewinkel unter sich gleich sind.
Da die im Horopterkreise liegenden Punkte die Durchkreuzungspunkte der Sehaxen sind, jedes Auge aber für die Entfernung dieses Durchkreuzungspunktes accommodirt ist, und da ferner bis auf einen Punkt « in Fig. 6 alle übrigen dem einen Auge näher stehen als dem anderen, so folgt daraus, dass der Accommodationszuständ des rechten Auges nur dann mit dem des linken Auges übereinstimmt; wenn die Augen den in der Medianlinie gelegenen Punkt u in Fig. 6 fixiren, während in allen übrigen Fällen die beiden Accommodationszustände nach einem bestimmten Verhältnisse ditferiren.
Lässt man beide Augen sämmtliche rechts von der Medianlinie gelegenen Punkte des Horopters in ihrer stetigen Folge fixiren. so