﻿204 Ueber den Zusammenhang zwischen der Convergenz der Augenaxen etc.
gelstereoskop darstellt, obschon Differenzen, wie die zwischen « A" und a'B" (namentlich wenn die Bilder klein und mehre Zolle von den Spiegeln entfernt sind ' allerdings gänzlich vernachlässigt werden können.
Beiläufig erlaube ich mir noch anzumerken, dass die erörterten Verhältnisse einen nicht unwesentlichen Unterschied zwischen dem Sehen wirklicher Körper und dem Stereoskopiren durch stereoskopische Apparate begründen, welcher, wie mir scheint, erklärt, warum uns die plastischen Bilder (namentlich Landschaften im Stereoskope mit ungewohnter, ich möchte sagen unnatürlicher Klarheit und Schärfe entgegentreten, und dann, warum das Stereoskopiren durch Stereoskope eine fühlbare Anstrengung, welcher auch wohl Ermüdung folgt, kostet, während wir unter übrigens gleichen Umständen beim Betrachten wirklicher, nach drei Dimensionen des Raumes ausgedehnter Körper nichts von diesen Folgen spüren.
8. Hierher gehört endlich auch das, was ich oben über das Sehen der Punkte des Müeeeif selten Horopterkreises gesagt habe.
e) Meine am Ende vorstehender Abhandlung angedeutete Ansicht über die Art der Verknüpfung der Accommodations- und Convergenz-bewegungen will ich nun etwas ausführlicher und bestimmter behandeln, mit Beziehung auf die von R. Wagner angebahnte, auf mikro-tomischer Basis ruhende Innervations-Theorie, welche mir bereits seit geraumer Zeit durch meinen hochverehrten Lehrer Prof. Purkyne bekannt und geläufig ist1 .
1 Pürkyne trägt sieli nämlich schon seit der durch ihn gemachten Entdeckung der mehrfach geschwänzten Ganglienzellen der grauen Substanz mit ganz ähnlichen hypothetischen Ideen über die Innervations-Erscheinungen in den Centralorganen, wie solche in jüngster Zeit R. Wagner nach so manchen neuen, ermunternden, mikroskopisch-anatomischen Thatsachen, welche Purkyne damals nur erst ahnen konnte, ausgesprochen hat. Ja Purkyne thcilt schon seit Jahren diese Ideen in seinen Vorlesungen den Zuhörern mit. Durch vorliegende Anmerkung können und sollen II. Wagner’s grosse Verdienste um die Gestaltung einer exaete-ren Nervenphysiologie durchaus nicht geschmälert werden. Die Absicht meiner Mittheilung ist nur die, hier an den Mann zu erinnern, in dessen auserwähltem, durchaus ursprünglichem Geiste schon so mancher folgenreiche Gedanke aufgegangen war, der wie im vorliegenden Falle, erst später an anderen Orten, von anderen Händen zur Reife gebracht wurde. So hatte Purkyne lange vor Schwank die Grundzüge der Zellentheorie erfasst und in aller Stille für sich und seine Freunde und Schüler bearbeitet, allein der kühnere und weniger zurückhaltende Schwann hat, wie Purkyne in einer Besprechung der Schwann’sehen Untersuchungen scherzweise sich ausdrückte, die Braut, die er ( Purkyne ) längst kannte und um die er schon lange warb, heimgeführt. Obsclion es keinem Zweifel unterliegt, dass Purkyne sowohl die Innervations- als die Zellentheorie weit früher als Wagner und Schwann erfasst und aufgebaut hat, so kann doch diese