﻿2GS Ueber den Zusammenhang zwischen der Convergenz der Augenaxen etc.
Grösse der ausgelösten Bewegungen, möglich ist, dürfte sich aus der für grössere Bewegungen benöthigten grösseren Intensität des Impulses und dem dadurch bedingten grösseren Erregungsbezirke erklären lassen. Hierauf deutet schon Wagner, indem er sagt1 ; : »Nehme ich die multipolaren Ganglienzellen als Knotenpunkte für Innervations-prccesse an, so liegt allerdings eine Schwierigkeit darinnen, zu erklären, warum die Erregungen von einer Faser bald in der ersten Zelle ruhen bleiben, bald auf benachbarte oder entferntere, oft sehr viele Zellen und die von denselben abgehenden Commissuren und Fasern übergehen. Dies kann nun möglicher Weise tlieils von der Intensität der Reize, tlieils von der ganzen Stimmung der multipolaren Ganglienzellen, die jedenfalls variabel ist — z. B. abhängig von der Blutzufuhr, von specifisclien Reizmitteln, wie Strychnin u. s. w. herrühren.«
Man könnte hier auch an eine Verschiedenheit der Impulse und Innervationsprocesse denken, welche etwa der Verschiedenheit zwischen gewöhnlichen und polarisirten Lichtstrahlen analog wäre. Nähme man dann noch in dem Inhalte der Nervenzellen und Fäden gewisse den Elasticitätsunterschiedcn des Lichtäthers in doppeltbrechenden Substanzen analoge Veränderungen an, so liesse sich begreifen -Varum die Erregungen bald in den ersten Zellen liegen bleiben müssen, bald auf mehrere Zellen u. s. w. übergehen.
Um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen, erkläre ielr schliesslich erstens, dass ich die oben aufgestellte Hypothese für nichts weiter ausgebe und angesehen wissen will, als für einen anspruchslosen Versuch die in Folge des eigenthümlichcn Zusammenhanges zwischen den Accommodations- und Augenbewegungen zu beobachtenden Erscheinungen mit einer bestimmteren Vorstellung von der anatomischen Anordnung der Innervationsbahnen in Beziehung zu bringen, — und zweitens, dass ich, trotz des Eingehens anf R. Wagner’s Innervationstheorie, doch weit entfernt bin, seine sonstigen Ansichten über die Function der Centralorgane, wie sie dieser Physiologe in dem zweiten Tlieile seines anthropologischen Vortrages über »Menschenschö-pfnng und Seelensubstanz« Göttingen, G. Wiegand 1854, auszusprechen den Mutli hatte, zu theilen oder gutzuheissen.
f In der vorstehenden Abhandlung habe ich nachgewiesen, dass man im Stande sei die Augenaxen willkürlich zur Divergenz zu bringen, zugleich aber irrt hü ml ich bemerkt, dass dies, wenn der Gegenstand, dessen Auseinahdertreten in Doppelbilder als Maass der
' A. a. O., S. 93.