Ueber den Zusammenhang zwischen der Convergenz der Augenaxen etc. 269
Divergenz dient und fur den die Augen accommodirt bleiben, nher
liege, leichter gelinge - im entgegengesetzten Falle dagegen schwerer.
Ich berichtige hiermit diesen Irrthum dahin, dass es wohl schwieriger
sei, einen entfernteren Gegenstand in verkehrte Doppelbilder ausein-
ander treten zu lassen, als ein-en nheren, dass aber, wenn dies ein-
mal gelungen ist, die Div erg en z st e11 u n g der Augenaxen bei
Fixirung eines entfernteren Gegenstandes leichter zu erzwingen sei, als
bei Fixirung eines nheren.
	Auch nehme ich die Grnde, durch die ich den berichtigten Irr-
thum zu sttzen glaubte, als falsch zurck, halte aber die von mir
gemachte Beobachtung mit aller Bestimmtheit fest, dass man durch
Uebung in den Stand gesetzt werde, die Augenaxen willkr 1 i cli
und im freien Sehen divergiren zu lassen, und ferner, dass man
auf die von mir angegebene Weise die Grsse des Divergenzwinkels
messen knne u. s. w.
	Beilufig fhre ich hier an, dass TURTUAL, obschon er noch keine
Ahnung davon hatte, dass man die Augenaxen willkrlich diver-
gent stellen knne, doch bereits erkannt hatte, dass die Augenaxen
unter gewissen ungewhnlichen Umstnden in Divergenz gerathen.
TURTUAL 1) sagt nmlich:  Beim Sehen nach dem Monde ist wegen
der grossen Entfernung der Stand der Sehxen als parallel anzunehmen;
dennoch erscheint nach Befreiung des verdeckten linken Auges 
anfng-lich rechts ein Nebenmond, die 
Convergenz jenseits des Obj ectes ist
also hier in eine Divergenz der Axen bergegangen. a - Noch wre
hier an eine Arbeit H. MEYER'S2) in Zrich zu erinnern, in welcher
bereits die mgliche Divergenz der Augenaxen untersucht und ver-
mittelst des Stereoskopes demonstrirt wurde.




	1 Die Dimension der 'il'iefe im freien Sehen und im stereoskopischen Bilde.
Munster 1842, S. 11. 		1
2 Pogg. Annal. Bd. 85, 1852, S 207.
