Ueber den Zusammenhang zwischen der Convergenz der Augenaxen etc. 245
und das zweite anfangs geschlossene Auge ffnet, trotz der 
Accommo-
dation fr die Entfernung des Mondes, ein Doppelbild 
wahrgenommen
wird, welches allerdings sehr rasch durch schnelle Correction der
Augenstellung in ein Bild zusammenfliesst. Ueberdies haben MLLER
Und PLATEAU auch einen geringen Einfluss der Willkr auf die Accom-
modation, ohne dass die Axen der Augen sieh nothwendig dabei ver-
stellen, beobachtet. MLLER kommt daher zu dem Schlusse, dass
jene Verbindung (der Accommodation mit der Augenstellung) secun-
dar, aber nicht eines die constante Ursache des anderen sei. (Vergl.
MLLER's Handbuch der Physiologie. Coblenz 1840, Bd. II, S. 337).
Durch die spteren Versuche von VOLKMANN, RUETE und PON-
DERS wurde MLLER's Ansieht ber das gegenseitige Verhltniss von
Accommodation und Augenstellung nicht nur besttigt, sondern es
zeigte sieh, das das geheime Band, welches die beiden Vorgnge ver-
knpft, noch weit lockerer geschlungen sei, als es ursprnglich den
Anschein hatte.
	VOLKMANN hat nachgewiesen, dass das Resultat des oben eitirten
MLLER'schen Versuches beim Fixiren des Mondes, nicht nur fr grosse
Entfernungen der Gegenstnde, wie MLLER meinte, sondern auch
innerhalb der deutlichen Sehweite erzielt werden kann. Wird ein
Auge mit der hohlen Hand bedeckt, und fixirt das andere Auge irgend
einen Gegenstand, der sieh in der deutlichen Sehweite befindet, so tritt
derselbe allemal im Doppelbilde auf, wenn man das bedeckte Auge
frei macht. Das deutlichste Bild und der Durchkreuzungspunkt der
Sehaxen fallen somit Rieht immer zusammen.
	Hieraus folgert VOLKMANN nicht nur, dass es zwei verschiedene
Beweguugs-Apparate zur Regulirung der Augenstellung und der Accom-
modation geben msse, sondern auch, dass beide Apparate einer
gesonderten Thtigkeit fhig sind. Das Zusammenwirken beider,
behufs des deutlichen Sehens, wird, nach VOLKMANN, Sache der Ge-
whnung, von der wir nicht fglich ablassen knnen, so lange die Ver-
hltnisse fortbestehen, unter welchen sie entstanden ist. Sehen wir
aber nur mit einem Auge, oder wohl pr durch Kartenlocher, so ndern
sich die Bedingungen, und jede der beiden Thtigkeiten geht ihren
eigenen Weg, ohne die andere ins Schlepptau zu nehmen. (WAGNER's
Handwb., Bd. III, Art. Sehen, 5. 308).
	RUETE machte darauf aufmerksam, dass Menschen, deren Augen
eine ungleiche Sehweite haben, doch nicht schielen, wenn nicht der
sogenannte Consensus der Muskeln durch andere Ursachen gestrt ist,
was doch, wie RUETE meint, eintreten msste, wenn die Stellung der
