250 Ueber den Zusammenhang zwischen der Convergenz der Augenaxen etc.

liefere hiermit den Beweis, dass man die Augenaxen
willkrlich divergiren lassen kann.
	Um keinen Zweifel ber die Richtigkeit dieser Behauptung zu
lassen, habe ich Fig. S (Tai 12) entworfen, wo A C den fixirten, meh-
rere Fuss breiten und an 100 Schritte entfernten Gegenstand bedente'c.
L ist das linke, B das rechte Auge. Beide Augen fixiren zuerst den
Punkt C. Ich bin nun im Stande die Augen so zu stellen, dass A C im
Doppelbilde erscheint und zwar so, dass das Bild, welches vorn linken
Auge stammt, r e eh t s neben das Bild des rechten Auges zu stehen
kommt und die Punkte A' und C sich decken. Die Stellung dieses Bil-
des entspricht also der Linie A' C'. Dieses Verhalten erklrt sich ein-
fach aus dem Umstande, dass das linke Auge um den Winkel  nach
aussen gedreht, mit seiner optischen Axe den Punkt A des Objectes
traf. Nun verlngere man die Linien A c und C b bis sie sich schneiden,
so findet man o als den hinter den Augen gelegenen Durchkrenzungs-
punkt der Augenaxen. a' ist der Divergenz-. oder der negative Con-
vergenzwillkel der Sehaxen.
	Bei genauerer Betrachtung der Fig. 7 und Fig. S erkennt man
leicht, wie man durch eine sehr einfache Construction oder durch eine
eben so einfache Rechnung das jeweilige Verhltniss zwischen dem
Itefractionszustande der Augen und dem Convergenzwiukcl der Seh-
axen ganz genau bestimmen kann.
	Kennt mau die Entfernung be der Drehpunkte der Augen von ein-
ander 1), ferner den Abstand der Augen von dem Gegenstande und
endlich die Entfernung der Doppelbilder von einander, so kann mau
nach dem in Fig. 7 und Fig. S gegebenen Schema fr jeden speciellen
Fall eine genaue Zeichnung entwerfen und die Grtsse der Trennung
des legitimen Zusammenhanges zwischen Accommodation und Augen-
stellung angeben.
	Statt der umstndlichen Construction lsst sich folgende einfache
Berechnung anstellen. Fr den in Fig. 7 dargestellten Fall ver-
hlt sieh
	I Die Bestimmung des Abstandes der Drehpunkte der Augen von einander
geschieht nach LISTING folgendermaassen: Man fixirt einen sehr entfernten Ge-
genstand, z. B. eine entfernte Kirchthurmspitze, einen Blitzableiter u. dgl. 
und
bringt knapp vor jedem Auge ein durchlchertes Karteublatt an. Hat man die
Lchelchen fr jedes Auge genau centrirt, so braucht man nur die Entfernung 
der
Lllchelchen von einander zu messen, und hat dann mit hinreichender 
Genauigkeit
die gesuchte Distanz. LISTING hat sich zu diesen Messungen einen eigenen 
Appa-
rat construiren lassen, an welchem die Verschiebung zweier fein 
durchlcherter
Metallplatten vermittelst einer i\likrometerschraube geschieht und durch 
einen
Nonius sehr genau abgelesen wri.
