﻿Zur Lehre v. d. Doppelbildern, die beim Sehen m. beid. Augen entstehen. 275
eine noch unerklärte, doch ohne Zweifel in dem Verhältnisse der Ursprünge der Nervi ocnlomotorii begründete Nothwendigkeit in der Weise von einander abhängig, dass die Drehung des einen, durch welche die Axe desselben aus der Axenehene nach oben oder unten abweicht, auch eine gleiche Abweichung der Axe des anderen zur Folge hat, welche nun in die Ebene, welche die bewegte erste Axe mit der Sehbase einschliesst, zu liegen kommt. Die Axenebene zerfällt selbst dann nicht, wenn beim Vorsichhinstarrcn die Axen eine parallele Stellung annehmen oder im Schlafe ein- und aufwärts gewendet sind, auch scheint eine Art des Schielens, in welcher die Axen aus der Ebene weichen, nicht vorzukommen«1).
Diesem entgegen behaupte ich nun, dass jene bezweifelten oder geleugneten Augenbewegungen und das Zerfallen der Axenebene unter gewissen Umständen dennoch wirklich Vorkommen.
Die Richtigkeit meiner Behauptung glaube ich durch folgende Versuche über allen Zweifel erheben zu können. Zunächst stelle ich eine Linie, die Zeilen einer Druckschrift oder den Rand einer Tischplatte vermittelst einer Libelle genau horizontal. Dann bringe ich die »Sehbase« und die die beiden Axenpunkte der Netzhäute verbindende Linie in eine solche Lage, dass diese beiden Linien mit dem horizontal gestellten Objecte in Eine Ebene fallen. Dies geschieht, indem ich das horizontal gestellte Object in verkehrte Doppelbilder aus einander treten lasse und, den Kopf von einer Seite zur anderen neigend, jene Stellung des Kopfes bestimme, bei welcher die verkehrten Doppelbilder genau in Einer Horizontalen stehen. Ist die gewünschte Stellung des Kopfes ausgcmittelt, so lasse ich auf meinem Kopfe eine Wasserwage horizontal befestigen, welche einem Gehilfen jede unwillkürliche seitliche Neigung des Kopfes sogleich angibt.
Nach diesen Vorbereitungen, welche mich offenbar in den Stand setzen, ein etwaiges Zerfallen der Axenehene mit grosser Genauigkeit zu erkennen, schreite ich zu folgenden Versuchen.
1.	Ich schliesse und öffne abwechselnd das eine Auge, während das andere ruhig nach dem horizontal gestellten Objecte sieht und beobachte die relative Stellung der dabei entstehenden verkehrten Doppelbilder.
2.	Ich verkleinere, während der Betrachtung des horizontal gestellten Objectes, den Convergenzwinkcl der Sehaxen immer mehr und mehr, bis die Sehaxen parallel stehen und bringe dieselben endlich bis zur Divergenz.
1 Vcrgl. dagegen Archiv fiir Ophthalmologie von Graefe. Berlin 1854. Baud I, Abth. I, S. II.
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