﻿Zur Lehre v. d. Doppelbildern, die beim Sehen in. beid. Augen entstehen. 271
verticale Verschiebung kann so bedeutend sein, dass die Zeilenhälfte der einen Seite der zweiten oder dritten unter oder über ihrer eigentlichen Fortsetzung gelegenen Zeilenhälfte der anderen Seite entspricht, d. h. mit ihr in derselben horizontalen Linie liegt. Diese Art der Doppelbilder erklärt sich einfach durch die Drehung eines Auges nacli oben oder nach unten.
Betrachtet man die obersten Zeilen der Druckschrift so, dass man die Augen sehr stark nach innen und ob en wenden muss, so erscheinen die Zeilen wie gebrochen und die Hälften bilden einen nach oben offenen stumpfen Winkel. (Vgl. Taf. 13, Fig. 11).
Wendet man die Augen sehr stark nach innen und unten, so convergiren die Hälften der gebrochenen Zeilen ebenfalls unter einem stumpfen Winkel, welcher jedoch nach unten geöffnet ist, wie Fig. 12 (Taf. 13) zeigt.
Diese Art der Doppelbilder, wo horizontale und verticale Linien, welche das eine Auge sieht, eine Neigung gegen die von dem anderen Auge gesehenen horizontalen und verticalen Linien bekommen, erklären sich aus einer Drehung um die optische Axe, Welche die Netzhäute in entgegengesetzter Lichtung beim Sehen nach innen und oben und nach innen und unten erfahren. Mit dem Uuete'sehen Ophthalmo-trop lässt sich diese Drehung um die optische Axe in Folge der Wendung des Auges nach innen und oben und nacli innen und unten leicht demonstriren.
Manchmal combiuirt sich unter den angegebenen Bedingungen die horizontale Verschiebung der Bilder mit der verticalen und mit der zuletzt beschriebenen Drehung.
Man kann hier nicht eigentlich von Doppelbildern, d. h. von doppelten Bildern eines Gegenstandes reden, da das Gesichtsfeld des einen Auges von dem d^es anderen Auges vollkommen getrennt ist, und kein Gegenstand zu gleicher Zeit Object beider Augen sein kann; allein nichts desto weniger enthält das Obige einen Beitrag zur Lehre von den Doppelbildern, welche beim Sehen mit zwei Augen entstehen können, indem man sich den beschränkten Theil der Druckschrift, welchen ein Auge übersieht, zu einem Totalbilde des von beiden Augen übersehenen Theiles der Druckschrift ergänzt und auf diese Art zwei solcher Ergänzungen erhält, deren relative Lage man nie die von Doppelbildern beurthcilt.
Wenn die als Scheidewand zwischen den Augen dienende flache Hand entfernt wurde, dann sollte man meinen, müssten sich Doppelbilder im engeren Sinne zeigen, d. h. doppelte Bilder eines und desselben Gegenstandes. Dies ich auch für die ersten zwei Lichtungen des Aus-