﻿XXI.
Ueber die
unempfindliche Stelle der Retina im menschlichen Auge
(sammt Zusatz).
[ Wiener (iluidcmischc SiizungsbcriclUc fSöä u. iSSo (Physiologische Studien;.]
Huiock (Müll. Arch. 1818. S. 91 u. ff'.) war der Erste, welcher die Entdeckung gemacht hatte, dass am blinden Fleck »eine ergänzende Thätigkeit der Vorstellung« rege ist. Er hatte bereits die Beobachtung gemacht, dass eine wcissc Scheibe an der Stelle des Fleckens weise, eine schwarze schwarz erscheint, und dass selbst Umrisse, wo sie durch die nicht sehende Stelle gehen, ergänzt werden. Hueck irrte nur darin, dass er meinte, »der nicht sehende Fleck entstehe durch das Eintreten der Gcfässe« (vusa central in).
Die neueren Untersuchungen über diesen Gegenstand von Weber '), von Volkmann"1 2) und von Fick und Du Bois3) haben die Hueck sehe Anschauung bestätigt und gezeigt, dass die der Eintrittsstelle des Sehnerven — (und nicht -der vusa cenlralia) — entsprechende Fläche als eine räumliche Grösse im Sehfelde repräsentirt ist, und dass sie, da sie keine Lichteindrücke dem Scnsorium liefert, durch welche der Raum erfüllt werden könnte, durch einen Act der Einbildungskraft, durch ein Phantasma ausgefüllt wird. Die in die blinde Stelle »hincingebildcte« Empfindung hängt zum Thcil von der Qualität der Erregung der unmittelbaren Nachbarschaft (welche Volkmann der Kürze wegen mit r bezeichnet) der Eintrittsstelle des Sehnerven ab. Uebcrdies hat Volkmann, welcher den Gegenstand unter den genann-
1	E. II. \VLimit, Berichte älter die Verhandlungen der kün. sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig. Sitzung am IS. Dec. 1852.
2	Voi.KMANN, Bericht über die Verhandlungen der kön. sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig. Sitzung am '10. April 1852.
3	Fick und Du Bois (Miilier’s Archiv 1853).