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Eine Modification des Scheinor sclien Versuches.
» Wenn sich mm gleich in der physikalischen Theorie der l|arhen\ durchaus kein Anhaltspunkt findet, um die Coinplementärfarben an und für sielt als Gegensätze zu betrachten, so ist cs doch auf der anderen Weite unzweifelhaft, dass sie für die subjective Anschauung Gegensätze bilden, indem sic sich neben oder nach einander empfunden verstärken; wenn aber ihre Eindrücke im Wcnsorium einander decken, sieh gegenseitig zerstören, und cs lässt sicli leicht die Mechanik aufdecken, durch welche uns eine Farbe so afficiren kann, dass wir ihren Gegensatz, ihr Complement zu sehen glauben, wenn dasselbe weder objectiv, noch als Erregungszustand in den peripherischen Thcilcn unserer Bchnervcn-Elemcnte existirt. Wenn wir angeben, dass überhaupt irgend eine Farbe vorhanden sei, so sagen wir damit, dass die Eichtwcllcnsystcmc verschiedener Wchwingungsdauer nicht in solchen Amplituden mit einander combinirt sind, dass sie sich unter einander zu Weiss oder Grau ncutralisircn. Unser ganzes llrthcil filter Farben muss also wesentlich von der Vorstellung abhängen, welche wir vom neutralen Grau oder, wenn cs sicli um höhere Lichtintensi-täten handelt vom reinen Weiss haben. Wenn das Gcdächtniss in unseren Winnen ein absolutes und mithin die Vorstellung vom Weiss in uns eine unwandelbare wäre, so würden wir auch immer richtig über die Farben urtheilcn, d. h. wir würden Grün für grün, Roth für rotli etc. erklären. Dem ist aber nicht so ; vermöge der Unvollkommenheit unseres sinnlichen Gedächtnisses nennen wir zu verschiedenen Zeiten Dinge weiss, welche sich neben einander als höchst verschiedenfarbig erweisen. Wären wir nun disponirt, ein Licht weiss zu nennen, welches z. 11. einen Ucbcrschuss an Grün enthält, so würden wir zu derselben Zeit das reine Weiss für rotli erklären, und wiederum ein andermal könnten wir dieses selbe reine Weiss für grün erklären, wenn wir disponirt wären, ein Licht mit einem Ueberschussc an rotlicn »Strahlen für weiss zu halten.
»Es ist nun hinreichend bekannt, dass wenn wir plötzlich eine grosse Menge farbigen Lichtes auf unsere Augen wirken lassen, z. 11. wenn wir durch ein farbiges Gläschen sehen, die Farbe desselben im ersten Augenblicke mit der vollen Energie auf uns wirkt, diese aber von Moment zu Moment abnimmt und zwar in solchem Maasse, dass Leute, welche eine farbige Grille tragen, oft nachdem sic dieselbe kurze Zeit vor den Augen gehabt haben, sich nicht mehr deutlich bewusst sind, dass sie die Gegenstände in anderen als in den natürlichen Farben scheu. In demselben Maasse aber, in dem für uns die Energie des Farbeneindruckes verloren geht, muss offenbar auch unsere \ orstellung vom \\ eiss verändert werden, und wir werden des-