﻿312
Beitrüge zur Physiologie des Tastsinnes.
Raiurisinnes in der Haut nicht nur im Vergleiche mit dem ersten Verfahren, sondern auch an und für sich gänzlich unbrauchbar sei.
Dagegen könnte dieses Verfahren, wenn man cs etwas modificirte, zur Untersuchung einer Frage brauchbar werden, welche Weber für den sogenannten »Drucksinn« beantwortet hat, nämlich: wie viel Zeit zwischen zwei auf einander folgenden Empfindungen verfliessen darf, um die letztere mit der erstereu noch mit einiger Sicherheit vergleichen zu können?
Weber1' sagt: »Ich habe hei verschiedenen Menschen Reihen von Experimenten darüber gemacht, in welchem Grade die Vergleichung zweier Empfindungen unvollkommener werde, wenn 2, 5, 10, 15, 20. 25, 30, 35, 40 und mehr Secundeu vergehen, ehe die zweite Empfindung auf die erste folgt, mit der sie verglichen werden soll«.
»Rci manchen Menschen wurde die Vergleichung schon nach 10 Secundcn sehr unvollkommen. Rci grösseren Gewichtsunterschieden kann mehr Zeit vergehen, ehe man verhindert wird, das schwerere Gewicht von dem leichteren zu unterscheiden«.
Für den »Raumsinn« nun würde sich die Frage etwa so gestalten: wie viel Zeit darf zwischen zwei aufeinander folgenden Berührungen verstreichen, wenn noch mit Sicherheit, angegeben werden soll, ob zum zweiten Male derselbe oder ein anderer 1 lautpunkt berührt worden ist. Die Stärke des ersten Eindruckes und die Grösse der Entfernung des das zweite Mal berührten llautpunktcs von dem zuerst berührten werden wohl, wie beim Drucksinn die Grösse des Gewichtsunterschiedes, in geradem Verhältnisse zur Länge der Zeit stehen, welche verfliessen darf ohne die Möglichkeit des Erkcnnens der Identität oder Nichtidentität der berührten 1 lautpunkte aufzuheben.
Ich lasse nun die Tabellen folgen :
1 Handwürterb. d. Physiol. von R. Wagnek. Art. »Tastsinn u. Geineingetuhl« S. 545.