﻿Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes.
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Feinheit in der Auffassung räumlicher Verhältnisse vermittelst des Tastsinnes muss offenbar durch ein schärferes Tastbild ebenso erhöht werden, als dies bei den Wahrnehmungen vermittelst des Gesichtssinnes, durch ein optisch vollkommeneres Kctinabild der Fall ist. Dafür spricht die Unvollkommenheit unserer Tastwahrnchmungcn, wenn unsere Hand mit einem Handschuhe bedeckt ist. In dieser Beziehung scheinen die Kinder den Erwachsenen gegenüber im Vor-tlieil zu sein.
b) Eben so wenig gilt der obige Satz unter allen Umständen für Erwachsene. Denn es zeigt sich bei näherer Betrachtung sogleich, dass wir einem Kiesen, blos wegen der beträchtlicheren quadratischen Ausdehnung der Haut, welche seine gigantischen Glieder deckt, nicht so ohne weiteres Bedenken einen weniger feinen Kaumsinn zuschreiben dürfen, als einem zwergartig gebauten Menschlein, dessen Haut nicht ansreichte Brust und Kücken des Kiesen einzuhüllen. Wir würden hierbei den wesentlichen Einfluss des Organisationsplanes der Central-organe des Tastsinnes und der peripherischen Verbreitung der Tastnerven auf die Feinheit des Kaumsinnes der Haut übersehen.
Unsere Folgerung ist nur dann statthaft, wenn diese und alle übrigen Bedingungen, von denen die Feinheit des Kaumsinncs abhängt, für beide Individuen dieselben oder nahezu dieselben wären. Unter übrigens gleichen Umständen steht allerdings die Grösse der quadratischen Ausdehnung der Haut in irgend einem entgegengesetzten Verhältnisse mit der Feinheit des Kaumsinncs. Denkt man sich einen Menschen von gewöhnlicher Grösse, ohne sonst das Geringste an seiner Organisation zu ändern, bedeutend vergrössert, so würden die Dimensionen der Empfindungskreise der Haut nach allen Kichtungen zunehmen, und da sich die Zahl derselben nicht vermehrt haben würde, so müsste der Kaumsinn des zum Kiesen vergrösserten Individuums offenbar bedeutend stumpfer geworden sein. Mau sieht aber leicht, dass, wenn mit der Vergrösscrung jenes Individuums eine gewisse Veränderung der Ccntralorganc und eine entsprechende Vermehrung der Nervenfasern und Einpfindungskrcisc gleichen Schritt halten würde, der Kaumsinn der Haut nicht nur nichts an seiner Feinheit einzubüssen brauchte, sondern sogar an Feinheit zunehmen könnte.
Es wäre nicht uninteressant, directe Messungen über die Feinheit des Kaumsinnes der Haut an besonders grossen und an auffallend kleinen erwachsenen Menschen anzustellen und zu vergleichen. Denn wenn wir voraussetzen, dass es eine bestimmte. in der menschlichen Organisation begründete allgemein gütige Grenze der Feinheit und der