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Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes.
Unterschied dieser beiden G rossen vorhanden sei. Denn hat man den kleinsten Abstand, bei welchem die Zirkelspitzen eben noch deutlich als doppelt empfunden werden, vor der Entbindung oder vor der künstlichen Dehnung der Haut richtig bestimmt — worauf allerdings die scrupulöseste Sorgfalt verwendet werden muss, da dieser Umstand eine conditio sine qua non ist) — und die von den Zirkelspitzen berührten Hautpunkte mit Lapis oder Tusche bezeichnet, so wird man im ersten Falle, d. h. nach der Entbindung finden, dass die Zirkelspitzen nicht mehr als räumlich gesondert empfunden werden, wenn sie wieder auf die mit Lapis bczeichueten Punk te aufgesetzt werden, sondern erst bei etwas grösserem Abstande, während die Zirkelspitzcn im zweiten Falle, d. h. nach der künstlichen Ausdehnung der Haut, auch dann noch doppelt empfunden werden, wenn sie sich in einem etwas geringeren Abstande von einander befinden, als die Tuschpunkte nach der Dehnung.
Diese leicht zu constatirenden Thatsachcn lassen, wie ich glaube, über die Richtigkeit des aufgestellten Gesetzes keinen Zweifel, wenn es gleichwohl dahin gestellt bleiben muss, ob cs möglich sei die absolute Grösse des nachweisbaren Unterschiedes genau anzugeben.
Ich lasse nun die Erklärung der erörterten Erscheinungen, wie sich dieselbe aus E. 11. Weber’s Theorie der festen Empfindungs-kreise ergibt, folgen, um schliesslich einige Bemerkungen von theoretischem Interesse leichter anknüpfen zu können.
In Figur 10 Taf. 17 versinnlichen uns die Kreise A, B und C drei Weber’sehe Empfindungskreise ') eines beliebigen Hautstückes, die kleineren schraffirten Kreise Z und Z aber die Stellen derselben, welche von den mehr oder weniger stumpfen Zirkelspitzcn berührt werden. Wenn wir voraussetzen, dass die durch It getrennten Empfindungskreise A und C zwei räumlich gesonderte Eindrücke zu vermitteln im Stande sind, so wird der geringste Abstand der Zirkelspitzcn, bei welchem sic noch doppelt empfunden werden, dann erreicht sein, wenn die Berührungskreise Z und Z, (wie auf unserer Zeichnung) die nach B gekehrten Tlieile der Peripherien von .1 und C tangiren ohne nach B hinauszugreifen. Die Länge der Linie ZZ, welche die Mittelpunkte der berührten Stellen verbindet, gibt das Maass für den Feinheitsgrad des Raumsinnes der betreffenden llaut-
1 Da man über die eigentliche Form der Empfindlingskreise nichts Bestimmtes weiss, so gab ich ihnen der Einfachheit wegen die Kreisform. Die Schemen ändern sich wesentlich gar nicht, wenn man auch statt der Kreise Sechsecke oder sonst beliebige Formen zeichnete.