﻿Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes.
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Regionen des Körpers verschiedenen Grade der Feinheit desselben, und endlich das Verschmelzen zweier gleichzeitiger, gleichartiger Eindrücke zu einer Empfindung, wenn dieselbe über ein nach den verschiedenen Hautregionen verschiedenes Maass sich einander nähern, zu erklären. Bekanntlich stehen sich gegenwärtig zwei differente Erklärungsversuche gegenüber, von denen der eine durch E. H. Wkbkr, der andere durch Lotze und Meissner vertreten wird.
E. H. W eher ') nimmt gewisse feste geometrische Verhältnisse in der Anordnung der peripherischen Nerven Verbreitung an, auf denen »sich Gestillten, Entfernungen und Bewegungen der wahrzunehmenden Körper gleichsam abbilden können« und »von denen die Seele gewisser-maassen ein Bild im Gehirn haben würde, zusammengesetzt aus einer Anzahl von Raumelementen, deren jedes durch eine sensible Primitivfaser vertreten würde, so dass die »Seele dann im »Stande wäre, vermöge dieser b c s t c h e n d e n Einrichtung direct die die Haut treffenden Reize hinsichtlich ihres Ortes zu bestimmen, gleichsam abzulesen«. *
Lotze1 2) hingegen, welchem Meissner folgt, leugnet die Existenz der festen Empfindungskrcisc überhaupt und die Existenz jener Anordnung, welche Weiser den festen Empfindungskreisen gibt, insbesondere, denn nach ihm schlicsst »die regelmässige räumliche Lage der einzelnen afficirtcn Nervenpunkte nicht die gleiche Nothwendigkcit ein, dass die »Seele auch in ihren Empfindungen die entsprechende Form räumlicher Association wiederhole«, und lassen sieh die Erfahrungen mit der von Weher angenommenen Anordnung der Empfindungskreise zum grossen Thcilc nicht in Einklang bringen.
Lotze ist der Meinung, dass sich die Erfahrungen »ohne die Annahme fester Empfindungskreise befriedigend nach dem Satze deuten lassen, dass zwei Empfindungen um so deutlicher geschieden werden, je differenter, um so undeutlicher, je identischer ihr qualitativer Inhalt sammt den Localgefühlen ist«.
Ich für meine Person bin der Meinung, dass keine der beiden Theorien vollkommcnd ausreichend und tadellos sei, dass vielmehr erst durch die Vcrschmclzung.bcidcr eine völlig stichhaltige und befriedigende Ansicht gewonnen werden könne.
Eine Verschmelzung des Brauchbaren beider Theorien ist aber nicht nur wünschcnswcrth, sondern, wie ich im Folgenden zeigen werde, in der That auch möglich.
1	Waoneu’s Handwiirterb. Art. »Tastsinn« und Berichte der kün. siiclis. Ges. d. W. zu Leipzig. )S-'»2, 11, S. s.>: »(Jeher den Knunisinn«.
2	Medicinische Psychologie 1S52.