﻿:S0<>	Beit rüge zur Physiologie des Tastsinnes.
für einen Erwachsenen erhielt, zu ihren Gunsten hätte ausschlagen müssen.
Eben so unstatthaft wäre es, zuvermuthen, dass Weber’s Messungen an der von mir nach gewiesenen Differenz Schuld seien, indem sic vielleicht zufällig an einem ausnahmsweise stumpffühlcn-d c n Individuum angcstcllt sein könnten. Wohl lässt siel» aber nicht leugnen, dass die absolute Grösse der gefundenen Differenz den zufälligen, individuellen Verhältnissen der untersuchten und verglichenen Personen zuzuschreiben sei.
Ich habe oben den Satz ausgesprochen, dass sich bei Kindern auf einem Hautstlicke von gleicher Ausdehnung mehr Nervenenden und Empfindungskreisc finden müssen, als bei Erwachsenen. Damit war jedoch nicht etwa gemeint, dass die Vergleichung jeder beliebigen Ilautstücke, auch wenn sic ganz verschiedenen Regionen des Körpers angehören, einen grösseren Reichthum an Nervenenden und Empfindungskreisen für das llautstück des Kindes ergeben müsste, als für das des Erwachsenen ; denn die Volarfläche der letzten Fingerglieder jedes Erwachsenen z. B. hat auf einer Quadratlinie unbedingt m c h r Nervenenden und Empfindungskreise, und somit auch einen feineren Raumsinn, als die Rückenhaut eines Kindes.
Man darf hierbei nämlich nicht vergessen, dass die Feinheit des Raumsinnes, wie E. II. Weber zuerst nachgewiesen hat, in den verschiedenen Regionen der Haut eines und desselben Individuums sehr ungleich entwickelt und nach einem besonderen Gesetze vertheilt ist. Der absolute Feinheitsgrad des Raumsinnes einer bestimmten llautrcgion bei verschiedenen Individuen scheint sogar weit mehr individuellen Schwankungen unterworfen zu sein, als der relative Feinheitsgrad des Raumsinnes zweier bestimmten Hautregionen (Allen Thomson). Zur Vergleichung der Verhältnisse des Raumsinnes bei Kindern nnd Erwachsenen müssen wir demnach immer Hautstlicke derselben Region des Körpers wählen.
Bei Kindern gelten gewiss ähnliche Gesetze für die Abstufungen des Raumsinncs in den verschiedenen Hautregionen, wie bei Erwachsenen. Ich sage absichtlich ähnliche und nicht gleiche Gesetze, weil kaum anzunchmcn ist, dass die Haut der Kinder, während des Wachsthums, an allen Punkten zugleich und in gleichem Maasse an quadratischer Ausdehnungzunehmen sollte. Schon die verschiedenen Proportionsverhältnisse der Körperthcile bei Kindern und bei Erwachsenen weisen mit aller Bestimmtheit darauf hin, dass das Wachsthum der Haut nach der Fläche in verschiedenen Regionen des Körpers verschieden sein müsse. So •/.. B. wachsen Arme und Beine