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Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes.
Dass ein Individuum einen um so feineren Raumsinn besitzen müsse, je geringer die quadratische Ausdehnung seiner Haut ist.
a) Wenn das Individuum ein Kind ist, so wird uns eine kurze Erwägung erkennen lassen, dass wir offenbar zu weit gingen, wenn wir in Uebereinstimmung mit unserem Princip, dem Säugling oder gar dem Fötus den feinsten Raumsinn zuschreiben wollten. Wir würden dabei übersehen, dass der bewusste Gebrauch der Sinne ein bereits höher entwickeltes Ich, welches sein inneres Schauen in einem Sinne auf einen Punkt zu concentriren versteht, voraussetzt, dass ferner die Sinne, je mehr sie geübt, je besser sie erzogen wurden, auch desto feiner und brauchbarer sind.
Die subjectiven Momente der »Aufmerksamkeit« und »Uebung«, deren Bedeutung für die Feinheit des Raumsinnes unsere weiter unten mitgetheilten Untersuchungen an Blinden aufdecken werden, konnten wir früher wohl unberücksichtigt lassen— da die vier Knaben, um die es sich handelte, sinnlich so weit entwickelt waren, als dies durch die natürliche Erziehung der Sinne überhaupt möglich ist — können es aber nicht unter allen Umständen. Der oben aufgestellte Satz gilt daher nur in so weit, als wir, abgesehen von den schon Eingangs erörterten Beschränkungen, die beiden subjectiven Momente für zwei bezüglich der Feinheit des Kaumsiuncs zu vergleichenden Individuen, von denen das eine noch nicht, das andere bereits erwachsen ist, gleich setzen können.
Aus diesem Grunde dürften Beobachtungen an ganz kleinen Kindern, welche erst so weit entwickelt sind, dass sic die an sie gestellten Fragen eben aufzufassen und zu beantworten im Stande sind, leicht andere, als die von uns für entwickeltere Kinder erwarteten und gewonnenen Resultate liefern. Es möchte uns hierbei gar nicht befremden, wenn, namentlich an den feiner fühlenden Ilautstellcn. die Abstände der Zirkclspitzen ebenso gross, ja selbst noch grösser, als bei Erwachsenen, ausfallen würden.
Ucbrigens ist liier noch eines Momentes und zwar eines objcctivcn zu erwähnen, welches die Feinheit des Raumsinues der Haut wohl auch mit bedingt und namentlich hier, wo cs sicli um Kinder und Erwachsene handelt, in Betracht kommen dürfte, — nämlich : die Dicke und Beschaffenheit der die Nervenausbreitung deckenden, unempfindlichen Schichten, welche den objcctivcn Reiz bis zu jenen sensitiven Theilen zu leiten haben. Je dünner und zarter diese Schichten sind, desto schärfer begrenzt und vollständiger werden wohl die Tasteindrücke den empfindenden Theilen übermittelt werden und umgekehrt. Die