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Beiträge zur Physiologie dos Tastsinnes.
Stumpfheit des Raumsinnes der Haut gibt, so liesse sich aus den Resultaten dieser Messungen entscheiden, ob die im Fötus ursprünglich angelegten qualitativen und quantitativen Verhältnisse des centralen und peripherischen Tastnervensystems mit der späteren Körpcrgrössc (Hautausdehnung) des erwachsenen Individuums in Beziehung stehen oder nicht. Fände sich in der That eine solche Beziehung zwischen den Verhältnissen des Tastnervensystems und der späteren Körpergrösse des Erwachsenen, so müssten sich Individuen, deren Körper riesige Dimensionen, und deren Raumsinn die gewöhnlichen Feinheitsgrade zu erreichen bestimmt wäre, nach den in diesem Paragraphe mitgethciltcn Schlüssen und Beobachtungen im Kindesalter durch einen auffallend feinen Raumsinn der Haut auszeichnen und eharaktcrisircn.
Unter diesen Voraussetzungen wäre uns dann also in dem Reinheitsgrade des Raumsinnes kindlicher Individuen eine Prämisse zu einem Wahrscheinlichkcitsschlusse auf ihre künftige Körpergrösse als Erwachsene gegeben.
§ 2. Beobachtungen über die Feinheit des Raumsinnes der Haut bei
Blinden.
Die quantitativen und qualitativen Verhältnisse des Tastnervensystems und des Hautorgans sind die ohjectivcn, die Concentrirung der Aufmerksamkeit und die Hebung sind hingegen die subjectiven Momente, welche die Feinheit des Raumsinnes der Haut wesentlich bedingen. Der höchste Feinheitsgrad des Raumsiimes kann nur durch eine möglichst günstige Anlage der ohjectivcn und zugleich durch eine möglichst sorgfältige Ausbildung der subjectiven Momente erreicht werden. Der Mangel der subjectiven Ausbildung kann theilweise und innerhalb gewisser Grenzen durch die natürliche Anlage, und der Mangel der natürlichen Anlage durch die subjective Ausbildung ersetzt werden.
Die tägliche Erfahrung an Blinden lehrt, dass sie alle Verhältnisse der Ausscnwelt, in so weit diese mit dem Tastsinne wahrgenommen werden können, ungleich schärfer unterscheiden als .Sehende. Diese thatsächliehe Schärfung ihres Tastsinnes kann offenbar nicht in einer günstigeren ursprünglichen Anlage des Organs, sondern muss in der Ausbildung der subjectiven Momente gesucht werden, in Folge deren sich dann allerdings auch die objec-tiven Verhältnisse des Organs verändern und verbessern könnten. Blinde vermögen eben mehr als Sehende auf die W ahrnehmungen des