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Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes.
mir weitst den schon erörterten Momenten an vielen Orten dazu beizutragen scheint, die durch Erfahrung festgcstellte Schärfung des Kaumsinnes bei Blinden zu erklären. Ich habe nämlich wiederholt die Beobachtung gemacht, dass sich Blinde während der Untersuchung mit dem Zirkel anders benehmen als Sehende. Sehende bleiben ganz ruhig dabei, wenn man ihnen die Zirkelspitzen auf eine beliebige Hautstelle aufsetzt, und halten still, ohne erst dazu'aufgcfordert werden zu müssen; während Blinde jene Körpcrtheilc, deren Haut mit dem Zirkel untersucht wird, in fortwährende, nur bei einiger Aufmerksamkeit von Seite des Experimentators bemerkbare, kleine und ziemlich rasche Bewegungen versetzen. Diese Bewegungen, welche man vielleicht nicht unpassend »Tastzuckungen« nennen könnte, scheinen halb unwillkürlich1) zu erfolgen, indem die Blinden, an denen ich meine Messungen machte, dieselben nie völlig unterliessen, selbst wenn ich sie darum ausdrücklich gebeten hatte.
Die Tastzuckungen, durch welche die einfachen Eindrücke der auf der Haut ruhenden Zirkelspitzen in verschiedener Weise abgeändert werden, und welche somit offenbar zur leichteren Unterscheidung der Tasteindrücke, ähnlich wie die Bewegungen der)Tastorgane beim Tasten überhaupt, beitragen müssen, erfolgen nicht nur an den Gelenken, sondern auch an Körpertheilcn, welche nicht weiter gegliedert sind, wie z. B. in der Mitte des Handrückens, des Ober- und Unterarmes u. s. w. An solchen Orten zuckten meine Blinden mit einzelnen Sehnen und Muskelbäuchen, um die betreffenden Hautpartien zu verschieben und in verschiedener Weise gegen die Zirkel-spitzen anzudrücken — mit einem Worte, um die Objecte gewisser-massen sclbstthätig zu betasten. Dabei glaube ich zugleich bemerkt zu haben, dass sie noch dann mit Sicherheit die beiden Zirkelspitzen zu unterscheiden behaupteten, wenn sie gleichwohl nicht mehr anzugeben vermochten, in welcher Richtung zur Längsaxe des Gliedes dieselben aufgesetzt waren.—Weitere Untersuchungen mögen zeigen, ob
1 Den Blintlcn mag es mit (len Tastzuckungen ähnlich gehen, wie den Hellenden mit der Einstellung der Sehaxe. So wie nämlich Sehende, wenn sie einen Gegenstand vermittelst des Gesichte sscharf wahrnehmen wollen, unwillkürlich die Sehaxe auf das zu fixiremle Object richten, um das Bild desselben auf den gelben Pieck fallen zu machen, eben so und aus ähnlichen Gründen versetzen wahrscheinlich Blinde ihre Tastorgane in Bewegungen und Zuckungen. Sowohl die Einstellung der Sehaxe als die Tastbewegungon und Zuckungen werden durch Muskeln vermittelt, welche der Willkür gehorchen; allein diese Bewegungen stehen auch im Dienste der Sinnesthätigkcit und dann treten sie halb unwillkürlich ein — ja selbst gegen den Willen, wie die Erfahrung zeigt, weiche Jeder bestätigen wird, der Ungeübte gewisse Sehversuche anstellen sah.