﻿Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes.
335
schmolzen. Nachdem icli diesen sorgfältig bestimmten Bezirk mit Tusche umrissen hatte, setzte ich an zwei beliebigen Tunkten desselben statt der Zirkelspitzen zwei sehr kleine Reagensgläschen, von denen das eine mit heissem Oel, das andere mit einer Kältemischung gefüllt war, mit ihren abgerundeten unteren Enden auf.
Das übereinstimmende Resultat meiner auf diese Art an mir und Anderen auf den verschiedensten Ilautregionen ausgeführten Versuche ist nun folgendes. Man unterscheidet unter den angegebenen Bedingungen den Kälteeindruck des einen Gläschens deutlich von dem Wärmeeindruck des anderen, allein und dies versetzt den Beobachter in eine eigentümliche, nicht zu beschreibende Verwirrung) man hat k c i u c A h n u n g v o n ihre m N e b e n e i n a n der; man kann durchaus nicht angeben, ob der Wärmeeindruck rechts oder links, nach vorn oder hinten von dem Kälteeindruck sicli befindet. Manchmal glaubt man zwar, die räumliche Disposition der Eindrücke wahrzunchmen, gibt dann aber regelmässig das gerade Gegentb ci 1 von Dem an. was wirklich stattfindet. Ich erwähne dieses Umstandes, weil er sich in meinen Versuchsreihen so oft wiederholt hat, dass ich ihn kaum für ganz zufällig halten kann. Erst wenn man die verschieden temperirten Gläschen in solchem Abstande von einander mit der Haut in Berührung bringt, als zur räumlichen Unterscheidung zweier Zirkelspitzen erforderlich ist, erst dann nimmt man auch die räumliche Disposition jener heterogenen Eindrücke wahr.
Noch muss ich folgende bei diesen Versuchen gemachte Bemerkungen mittheilen. So lange die Eindrücke innerhalb jenes Bezirkes applicirt werden, schweben die beiden gleichzeitigen aber heterogenen Empfindungen unbestimmt im Baume, etwa wie zwei Gehörsempfin-dungen, und scheinen gar keine Neigung zu haben, sich zu einer Empfindung zu mischen, ja es scheint unter Umständen ein Schwanken der Wahrnehmung, ähnlich dem beim sogenannten Wettstreite der Sehfelder, Platz zu greifen.
Indem ich die Aufmerksamkeit der Fachgenossen auf diese Erscheinungen, welche eine eingehendere Untersuchung verdienten, lenke, erlaube ich mir nur noch zu bemerken, dass dieselben kaum leichter und einfacher als durch die Annahme fester Empfindungskrcise für den Baumsinn zu erklären sein dürften.
§ 5. Theoretische Bemerkungen.
Man ist von verschiedenen Principien ausgegangen um die Wahrnehmungen des Baumsinnes überhaupt., ferner die in verschiedenen