﻿Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes.
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Nervenfibvillcn rcsultirendeu Localzeichens höherer Ordnung — des »als physiologische Einheit functionirenden Irradiationskreises« Meissner's ist eben nicht die Zahl der gereizten sensiblen Punkte, welche ja auch in so ferne zufällig ist, als sie von dem Durchmesser des physikalischen Zerstreuungskreises abhängt, das Wesentliche, sondern die Stellung der den einzelnen Nervenfibrillen. welche durch den Reiz »getroffen. sind, eigentümlichen Localzeichen in dem stätig »abgestuften System der Localzeichen«, welches, den Ausdruck der Feinheit seiner Gliederung in dem Durchmesser der fixen, von mir so genannten Empfindungskreise findend, auf eine freilich bisher unerklärbare Weise durch gewisse correspondirende Anordnungen in dem peripherischen und centralen Nervensysteme bedingt ist1 . Die erforderliche Grösse des Abstandes zweier benachbarter Reize von einander auf der Haut, wenn sie räumlich getrennt empfunden werden sollen, hängt also wesentlich ab :
1.	von der Grösse des Durchmessers der Empfindungskreise der betreffenden Hautstelle, denn der Abstand kann unter gewöhnlichen Umständen nicht kleiner sein als der Durchmesser eines Empfmdungs-kreises :
2.	von der Grösse der »physikalischen Zerstreuungskreise« der Reize, denn je grösser der Durchmesser derselben ist, desto weiter muss man die Reize von einander entfernen, soll ein ganzer Empfindungskreis oder mehr zwischen beiden völlig unberührt bleiben : und
3.	von der Uebung und Aufmerksamkeit des Individuums. denn nach diesen subjectiven Momenten richtet sich die Grösse des die Empfindungen trennenden Zwischenraumes, welche erforderlich ist, damit das Individuum denselben wahrzunehmen im Staude sei : hierin liegt zugleich die Möglichkeit einer Ausbildung und Verfeinerung des Raumsinnes.
Die bisher mitgetheilten Erörterungen haben wohl meine die
1 Hiermit werden sich Lotze und Meissner schliesslich einverstanden erklären können und müssen, du einerseits ihrer Forderung »iutensiver Localzeichen « Genüge geschieht und da sie andererseits gegen meine Hypothese und zu Gunsten ihrer Anschauungsweise nicht geltend machen dürfen, dass die erstere ein Erklärungsversuch sei, der eigentlich Nichts erkläre, und zwar aus dem einfachen Grunde nicht, weil ihre Anschauungsweise, wie oben nachgewiesen wurde, ebenso wenig erklärt als die meine — mit dem Unterschiede jedoch , dass i eh die Erklärung gewisser Grundverhältnisse offen als (für jetzt und vielleicht für immer) u n m ö g 1 i c h bezeichne, während sie dieselben zwar ebenso wenig geben, sondern durch eine Erschleichung höchstens Vortäuschen können, und ferner, dass sich wohl mit meiner, aber nicht mit ihrer Hypothese die Resultate aller Experimente etc. auf die ungezwungenste Weise in Einklang bringen lassen.