﻿Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes.
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der Lippen einander gegenüberliegenden; sogenannten correspondiren-den Punkte mit Tusche oder Tinte bezeichnet hat.
Hat man die Lippen in der angegebenen Weise dislocirt und drückt man nun wie früher ein Wachskügelchen oder das abgerundete Ende eines Federhalters in die Mundspalte, so beobachtet man natürlich auch hier — wie hei dem Versuche mit. gekreuzten Fingern — das sogenannte »Doppeltfühlen«, indem das einfache Tastobject deutlich doppelt vorhanden zu sein scheint. Bemerkenswerth ist dabei aber der Umstand, dass diese Täuschung ganz verschwindet, wenn man das Tastobject so weit zwischen die Lippenränder versenkt, dass es dieselben ganz umgreifen. Unter diesen Bedingungen werden wir uns nämlich der ungewöhnlichen Lage und Stellung der Lippenränder bewusst und bringen die Verschiebung derselben in Rechnung, wodurch offenbar jede Veranlassung zu einer Täuschung wegfallen muss.
Ich kann diesen Gegenstand unmöglich verlassen, ohne seine Bedeutung für das Problem des »Aufrechtsehens« hervorgehoben zu haben. In der erörterten Erscheinung des künstlich herbeigeführten »Verkehrtfühlens« der Haut findet nämlich die natürlich bedingte Beziehung, welche zwischen der Lage der erregten Netzhautpunkte und der scheinbaren Lage der Bilder im Baume besteht, in gewisser Hinsicht ihr Analog o n.
Sollte es nun nicht nahe liegen und zu rechtfertigen sein, diese analogen Erscheinungen auch von analogen Einrichtungen und Verhältnissen des Nervensystems bedingt und abhängig zu denken ?
Ich behalte es mir vor, auf die Beantwortung dieser Frage später einmal näher einzugehen.
§ 7. Ein Phorolyt für den Tastsinn.
Ich bin auf den, meines Wissens bisher noch nirgends ausgesprochenen und ausgeführten Gedanken verfallen, ein Phorolyt zu con-struiren, welches dem Tastsinne in ähnlicher Weise Bewegungen Vortäuschen soll, wie die bekannte »Wunderscheibe« dem Gesichtssinne. Ein Tastphorolyt — {sit venia verbo!) — kann von doppelter Art sein, da nämlich die Möglichkeit vorhanden ist, entweder durch Berührung oder durch eine bestimmte Temperatur auf die Haut einzuwirken. Einen Apparat der ersten Art habe ich durch den Mechaniker des physiologischen Institutes, Herrn Durst, folgendermaassen construiren lassen :
Auf einer grossen um eine vertikale Axe drehbaren hölzernen