﻿Zur Chromasie des Auges.	355
rother oder blauer Färbung ') Fig. 1 (Taf. 19} erläutert deu ganzen Vorgang.
Dass Ferusichtige schwerer die blaue Färbung, welche überhaupt weniger leicht zu beobachten ist, weil der Löchelchenkreis jenseits des Accommodationspunktes für die meisten Augen in mehrfache störende Nebenbilder auseinandertritt, als die gelbe Färbung des Mittelpunktes des Löehelchenkreises sehen werden, im schlimmsten Falle sich aber durch eine Sammellinse zur Wahrnehmung der blauen Färbung doeli verhelfen können, versteht sich von selbst: so wie dass der Durchmesser des Löchelchenkreises und der Löchelchen selbst in einem bestimmten, tentando leicht zu ermittelnden Verhältniss zum Accom-modatiousvermögen des Beobachters stellen muss.
Nocli will ich darauf aufmerksam machen, dass die farbigen Säume, welche bei falscher Accommodation entstellen, sowohl hinsichtlich ihrer Breite und Intensität, als hinsichtlich ihrer Farbennuancen namentlich der rotlien nicht unbedeutend von jenen sich unterscheiden, welche bei Verdeckung der einen Pupillenhälfte auf-treten. Diese letzteren sind im Allgemeinen breiter, intensiver und lassen die rotlien Töne deutlicher erkennen, als die ersteren. — Diese Differenzen dürften wohl in einer Complication der chromatischen Abweichung mit Bewegungsersclieiuungen ihren Grund haben.
Dass aber in beiden Fällen die rein rotlien und namentlich die rein violetten Grenzen der Farbensäume gar keinen oder nur einen kaum wahrnehmbaren Eindruck machen, kann nicht befremden, wenn mau erwägt, von welch' geringer Breite und Intensität die einzelnen Spectren sind, in welche die weissen Lichtstrahlen zerlegt werden.
Was übrigens die Färbung der Säume im Allgemeinen betrifft, so ist klar, dass, da die Spectren nach allen Bichtungen stetig über einander hinausgreifen, gegen den freien Band des Netzhautbildchens hin. aus der Mischung sämmtlicher Farbenstrahlen, welche Weiss oder neutrales Grau gibt, entweder zuerst die violetten, dann die blauen, die grünen, die gelben, die orangen Strahlen allmählich herausfallen und die rotlien den Band begrenzen, — oder aber in entgegengesetzter Ordnung, zuerst die rotlien, dann die orangen, die gelben etc. Strahlen ausgeschieden werden und die violetten die Grenze bilden müssen, — wie es die beiden folgenden Scheinen [A und B deutlich erkennen lassen, in welchen die Farben der Kürze wegen nur mit Au-
1 Manchmal wollte es mir scheinen, dass die gelbe Färbung einen Stich ins Bräunliche, die blaue hingegen einen Stich ins Graue hatte. Vgl. BkÜoke : lieber das Wesen der braunen Farbe. Pogg. Ann. IS4S, S. 4(11.